Dieser Beitrag ist erschienen in freiesMagazin (Link) 05/2009 / Lizenz: GNU Free Documentation License (GNU FDL) (Link) / Autor: Thorsten Schmidt .
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Ausgeflasht: Ein Versuch mit Gnash und Swfdec
von Thorsten Schmidt
Was erwartet den Nutzer Freier Software, wenn er das proprietäre Flash von seinem Computer verbannt und stattdessen auf die freien Alternativen Gnash und Swfdec setzt? Ein kleiner Versuch in zehn Schritten aus Perspektive eines ahnungslosen Nutzers.
Vorgeschichte
Gnash und Swfdec sind als Reaktion auf die Vorherrschaft des von Macromedia entwickelten, dann von Adobe übernommenen, proprietären Flashformats im WWW entstanden. Gnash im Jahr 2005 als „a new GNU project to build a media player that's compatible with Macromedia „Shockwave Flash“ standards and plays common „.swf“ files“ (Link). Swfdec zog kurze Zeit später nach und will im Wesentlichen dasselbe erreichen. Aus der Anküngigung einer frühen Veröffentlichung: „Swfdec is a swf rendering library (Flash) for Unix based on libart available under the terms of the LGPL. It supports playback of most flash animations“ (Link).Gegenwart
Beides sind also Flash-Player, soviel darf der ahnunglose Nutzer annehmen. Gnash unterstützt zurzeit SWF v7+ (Shockwave Flash) und soll laut eigener Angabe das Schauen von Videos auf Youtube.com und Lulu.tv unterstützen (Link). Ähnliches trifft für das Swfdec-Projekt zu (Link).Wo bekommt man's her?
Um Gnash oder Swfdex zu benutzen, tut man gut daran, zunächst alle Firefox-Instanzen und -prozesse auf seinem Rechner zu beenden, bevor man im ersten Schritt den Adobe-Flashplayer von seinem Rechner deinstalliert. Hat man den Flashplayer über das Paketmanagement installiert, dann deinstalliert man selbigen auch wieder darüber. Hat man den Flashplayer manuell installiert, sollte man zuvor im Terminal mit# updatedbdie lokale Datenbank aktualisieren, um anschließend mit
$ locate libflashplayer.soden Ort zu suchen, an dem sich das Plugin befindet. Dies wird höchstwahrscheinlich das Verzeichnis ~/.mozilla/plugins/ sein. Danach einfach die darin befindliche Datei libflashplayer.so löschen. Anschließend installiert man entweder Gnash oder Swfdec. Auf einem Arch Linux benötigt man in der Hauptsache folgende Pakete mit ihren jeweiligen Abhängigkeiten:
- Gnash: gnash-common (V. 0.8.5-1) und gnash-gtk (V. 0.8.5-1)
- Swfdec: swfdec (V. 0.8.4-1) und swfdec-mozilla (V. 0.8.2-1)
Anschließend wäre noch zu überprüfen, ob die Installation auch beim Firefox angekommen ist. Dazu gibt man in der URL-Leiste „about:plugins“ ein. Sollte alles soweit funktioniert haben, sieht man folgende Angabe:
Swfdec
Shockwave Flash
File name: libswfdecmozilla.so
Gnash
Shockwave Flash
File name: libgnashplugin.so
Versuch in zehn Schritten
Nun will man endlich sehen, was die beiden freien Alternativen zum gegenwärtigen Zeitpunkt darstellen können.Achtung: Da sich beide Projekte in einem frühen Entwicklungsstadium befinden, sollte man die Erwartungen nicht allzu hoch setzen. Der Versuch läuft nun folgenderweise: Ausgesucht wurden zehn verschiedene Webangebote, einige mit Flash-Videos, andere mit Flash-Spielen. Alles ganz wahllos, so wie es ein ahnungsloser Nutzer vielleicht auch tun könnte.
Flashgames
playzo.de
Swfdec: Gespielt wird zunächst ein Klassiker „Space-Invaders“ (Link). Das Spiel läuft ruckelfrei und lässt sich problemlos steuern. Mehr lässt sich dazu nicht sagen. Für einen ahnunglosen Nutzer dürfte der Einsatz von Swfdec hier keinen Unterschied zu Adobes Flash machen. Gnash: Dasselbe lässt sich für Gnash sagen: Sound und Grafik werden anstandslos verarbeitet. Über die Steuerung des Spiels gibt es auch nichts Negatives zu berichten.letsdesign.co.uk
Swfdec: Eine Steigerung bietet dann folgende Space-Invaders-Version (Link). Es erweckt zumindest optisch den Eindruck, etwas anspruchsvoller zu sein. Hier war dann auch nach den ersten Schüssen Zwangspause: Zwar lief der Sound weiter, aber das Spiel ließ sich nicht mehr kontrollieren und wirkte wie eingefroren.Gnash: Mit Gnash sieht es schon anders aus. Das Spiel wird geladen und auch die ersten Level konnten einwandfrei durchgespielt werden.
Grafik 1:
Im Originalbeitrag steht an dieser Stelle eine Abbildung mit der Bildunterschrift: Nach ersten Schüssen friert „Space Invaders“ ein.
Wenn Sie die Grafik sehen möchten, klicken Sie bitte auf den folgenden (Link)
playit.ch
Swfdec: Als Nächstes wurde das Spiel „Space-Shooter“ getestet (Link). Es sah aus wie eine runde Sache, läuft gut und der Sound stimmt. Gnash: Auch Gnash zeigt das Spiel an. Leider kommt es hier aber zu Verzögerungen zwischen Tastatureingabe (Space-Taste zum Feuern) und der Steuerung im Spiel. Die Steuerung des Schiffes per Maus sowie das Abfeuern der „normalen“ Waffen (linke Maustaste) funktioniert dagegen tadellos. Gleiches gilt für den Sound.Flash-Videos
Tagesschau.de
Swfdec: Als Erstes wird ein Blick auf das öffentlich-rechliche Angebot der ARD geworfen. Hier folgt ein Versuch, sich über die tagesaktuellen Ereignisse zu informieren. Allerdings stellt Swfdec lediglich den Player und dessen Kontrollelemente dar - von bewegten Bildern und Audio keine Spur. Leider. Eine Ausnahme macht die „Tagesschau in 100 Sekunden“ (rechts oben auf der Seite zu finden). Gnash: Mit Gnash lässt sich dem Angebot ebenfalls kein Bild und Ton entlocken. Zwar wird auch hier der Player dargestellt, ein Pfeil lädt zum Abspielen ein, zudem symbolisiert ein rotierendes Kreiselement Download-Aktivität. Klickt man nun auf „Play“, bleibt trotzdem alles dunkel und stumm. Allerdings funktionierte auch hier „Tagesschau in 100 Sekunden“ - immerhin. Hinweis: Dass die ARD ihr Nachrichtenprogramm „tagesschau.de“ nur als Flash- und alternativ im proprietärem Windows-Media-Format als auch als h264 anbietet, ist eine andere Geschichte. Aber wie heißt es doch so schön: „ARD Digital - Mehr vom Fernsehen.“ Fragt sich nur, für wen.N-tv.de
Swfdec: Also folgt der nächste Versuch bei der „Konkurrenz“. Und hier muss man leider feststellen, dass man nichts sieht, außer grau-weißen Flächen, auf denen eigentlich der Player samt Video hätte erscheinen sollen. Gnash: Nun im Vergleich die gleiche Seite mit Gnash: Die Player-Elemente werden dargestellt, Download-Aktivität wird angezeigt und die Spannung steigt. Dabei bleibt es dann leider.Ehrensenf.de
Swfdec: Nachdem in Sachen Nachrichten nicht allzu viel zu holen ist, versucht man dem Ernst der Lage mit ein wenig Klamauk zu entkommen. Hier also ein Blick auf Ehrensenf.de. Das Startbild erscheint auf dem Player - das Video wird angekündigt: „Video startet in wenigen Sekunden ...“ Aber nichts passiert. Schade. Gnash: Leider, leider bringt der Wechsel auf Gnash auf der besagten Seite rein gar nichts. Es bleibt bei bei der Anzeige des Players sowie des Startbildes, und das war es dann auch schon.Youtube.com
Swfdec: Vielleicht sieht es ja in punkto Unterhaltung auf Youtube.com anders aus. Hier ist es anscheinend eine Frage der Tagesform oder des gespielten Videos: Die Steuerelemente des Players werden angezeigt, auch das Abspielen in hoher Qualität ist möglich. Zwar ruckelt das Video und die Audiospur hinkt dem Bild ein wenig hinterher - jedoch kennt man das auch (manchmal) von Adobe Flash. Gnash: Gnash liefert hier eine positive Überraschung. Die meisten Videos werden abgespielt. Leider hapert es mit der Anzeige der Steuerelemente des Players (Play und Stop sowie der Schieberegler für Vor- und Rückwärts werden nicht richtig dargestellt). Auch die Option, Videos in hoher Qualität abzuspielen, ist nicht vorhanden. Ansonsten spielt Gnash die meisten Videos aber in passabler Qualität ab.Google Video
Swfdec: Tatsächlich sieht man hier wieder einen Lichtblick: Das Video wird passabel abgespielt, die Kontrollelemente funktionieren - alles bestens! Auch hier dürfe dem sorglosen Nutzer kein Unterschied zum propietären Flashplayer von Adobe auffallen. Gnash: Statt des Videos nur eine graue Fläche - das bekommt der ahnungslose Nutzer zu sehen.Sevenload.com
Swfdec: Auch auf den Verdacht hin, sich zu wiederholen: Leider läuft auch hier kein Video, der Player bleibt schwarz und nichts geht. Was bleibt, ist Ratlosigkeit. Gnash: Siehe Text von Google Video - damit man sich nicht unnötig wiederholt.clipfish.de
Swfdec: Hier sieht die Sache wieder anders aus. Die Videos laufen weitgehend okay, der Ton wird auch gut wiedergegeben und die Steuerelemente des Player werden dargestellt. Hier kann man sich nicht beschweren, sollte diese Seite denn zum täglichen Angebot gehören. Gnash: Auch Gnash verrichtet seinen Dienst hier ohne Murren und zeigt das Material samt Player-Elementen genauso gut an, wie Swfdec.Fazit
Insgesamt kommt man also zu einem ernüchternden Ergebnis. Das Ausprobieren zeigt deutlich, dass beide Programme für den durchschnittlichen Nutzer zurzeit nur bedingt in Frage kommen dürften, sofern dieser denn möglichst viele Webangebote nutzen will:| Webangebotetest | ||
| Swfdec | Gnash | |
| playzo.de | OK | OK |
| letsdesign.co.uk | N | OK |
| playit.ch | OK | m.E. |
| Tagesschau.de | N | N |
| N-tv.de | N | N |
| Ehrensenf.de | N | N |
| Youtube.com | OK | m.E. |
| Google.video | OK | N |
| Sevenload.com | N | N |
| clipfish.de | OK | OK |
Knapp 5 von 10 Angebote sind für Swfdec darstellbar und 3 von 10 für Gnash. Mit Einschränkungen (m.E.) bezieht sich auf die Steuerung des Spiels oder aber auf die Steuerelemente des Players. Das Spiel oder Video wurde hingegen angezeigt. Das heißt allerdings nicht, dass man beide Programme nicht nutzen soll - vor allem aus zwei Gründen: Der eine sind Bugreports. Jeder gefundene Bug könnte nicht nur den Fehler beheben, wie Benjamin Otte, Hauptentwickler von Swfdec, gegenüber Science 2Day berichtet, sondern es besteht auch die Chance, dass „mit jedem kleinen Bugfix oder Feature auf einmal Hunderte Flash Dateien funktionieren“ (Link). Zum anderen kann man sich auf diesem Weg einmal das reale Problem vergegenwärtigen, was passiert, wenn ein proprietäres Format durch massenhafte Nutzung zum Quasi-Standard im WWW wird. Ein Blick auf die nahe Zukunft weckt indes Hoffnung. HTML5 sowie die darin verankerten Audio- und Videotags (Link) sind die Hoffnungsträger: Und zwar mit der nun vorhandenen Option, Grundfunktionen eines Players (Vorwärts, Zurück, Stop etc.) durch den Browser selbst abbilden zu können.
Grafik 2:
Im Originalbeitrag steht an dieser Stelle eine Abbildung mit der Bildunterschrift: Grundfunktionen eines Mediaplayers per HTML5 in Firefox 3.1 (beta 3).
Wenn Sie die Grafik sehen möchten, klicken Sie bitte auf den folgenden (Link).
Sollte sich so etwas, gepaart mit freien Medienformaten (Ogg Theora und Ogg Vorbis), durchsetzen, wären am Ende des Tages alle besser raus. Möglicherweise hat es sich dann bald ausgeflasht - zumindest in Sachen Video und Co.
Links
- http://lists.gnu.org/archive/html/gnash/2005-12/msg00000.html
- http://mail.gnome.org/archives/gnome-multimedia/2003-January/msg00018.html
- http://www.gnu.org/software/gnash/
- http://swfdec.freedesktop.org/wiki/
- http://www.playzo.de/games-Space-Invaders-3890.html
- http://www.letsdesign.co.uk/splitemupgame/splitemup.html
- http://playit.ch/online-spiele/ballerspiele/space-shooter/a-blast/512
- http://www.science-2day.de/news/54
- http://dev.w3.org/html5/spec/Overview.html\#video
Thorsten Schmidt hat Spaß an bewegten Bildern im Netz und hält immer mal wieder Ausschau nach Möglichkeiten, diese auch mit GPL-lizensierter Software anzuschauen.
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