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Miro - Freies Internet-Fernsehen

Autor: Ralf Hersel / Der Beitrag ist erschienen im Magazin YALM 05/2009 (Link) / Lizenz: Der Beitrag wird unter einer Creative Commons Lizenz mit den Bedingungen: „Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen“ 3.0 (CC-BY-SA) zur Verfügung gestellt (Link)

Sie können diesen Artikel jederzeit für sich weiterverwenden. Bitte beachten Sie dabei die Lizenzbedingungen. Vielen Dank.

Miro - Freies Internet-Fernsehen

von Ralf Hersel

Miro ist ein von der Participatory Culture Foundation (Link 1) entwickelter Video-Podcast-Leser. Mit ihm lassen sich Videofilme anschauen, die entweder aus eigenen Beständen kommen oder aus abonnierten Kanälen stammen. Miro läuft auf verschiedenen Plattformen (Mac, Windows, Linux), ist freie Software und verwendet einen RSS-Reader und einen BitTorrent-Client. Im Artikel wird der Miro Media Player im Detail erklärt.

Wie diese Statistik (Link 2) zeigt, ist die Beliebtheit des Fernsehens seit Jahren bei 90% gleichbleibend hoch. Dem gegenüber hat aber das Internet seit 2005 auf 80% aufgeholt und liegt nur noch knapp unterhalb der Beliebtheit des Fernsehens. Weit abgeschlagen rangieren die Tageszeitungen mit 20%. Es wird also auf die Mattscheibe gestarrt, wobei diese mehr und mehr an einen Computer angeschlossen ist. Bekanntlich geht auf dem Computer beides, klassisches Fernsehen und Videokonserven ansehen.

Der Leser mag sich unter »Freiem Internet Fernsehen« etwas anderes vorstellen als Miro tatsächlich ist. Internet-Fernsehen wird zum Beispiel von Programmen wie Zattoo (Link 3) unterstützt und bietet in etwa das gleiche wie normales Fernsehen. Mit Miro hingegen kann man keine Fernsehprogramme ansehen, sondern Videocasts (Link 4) auf die eigene Festplatte laden, um sie später anzuschauen. Diese Videocasts sind nicht beliebig lang, sondern dauern zwischen wenigen Minuten bis zu knapp einer Stunde; im Durchschnitt sind sie ca. fünf Minuten lang.

Installation und Überblick

»Miro Internet TV« kann (bei Ubuntu) mittels »Anwendungen - Hinzufügen/Entfernen« installiert werden. Wer gerne die neuste Version 2.0 haben möchte, bekommt auf der Miro Homepage (Link 5) sehr gut erklärt, wie im Paketmanager eine fremde Quelle eingetragen wird, um von dort das aktuelle Miro-Paket beziehen zu können (Achtung Fremdquellen (Link 6). Nachdem man die Fremdquelle hinzugefügt hat, kann im Paketmanager nach »Miro« gesucht werden, um es anschließend zu installieren. Nach erfolgreicher Installation befindet sich der Eintrag »Miro Internet TV« im Menü »Anwendungen - Unterhaltungsmedien«. Dieser Artikel beschreibt die Version 2.0.4 von Miro, die auch in den Repositories von Ubuntu 9.04 enthalten ist. Beim Starten des Programms offenbart sich einer der wenigen Kritikpunkte an Miro; der Startvorgang dauert unglaublich lange. Sage und schreibe 50 Sekunden dauert es, bis Miro vollständig geladen und arbeitsbereit ist. Hier darf man nicht die Geduld verlieren; Miro ist nicht abgestürzt - es ist irgendwann fertig mit Laden. Alsdann kann man sich an einer zwar bunten, aber aufgeräumten Oberfläche erfreuen.

Abb. 1: zeigt Miro im Überblick. Bitte klicken Sie auf den Link, wenn Sie die Grafik sehen möchten: (Link Abb. 1)

Das Programm ist grob in vier Bereiche aufgeteilt: oben das Menü, auf der linken Seite ein Register mit Listen, rechts der Anzeigebereich mit den Inhalten und unten die Abspielsteuerung. Von Interesse sind die linke und die rechte Seite. Links lassen sich drei Arten von Listeneinträgen ausmachen:

  • Allgemeine Einträge wie Programmführer, Videosuche und Medienbibliothek

  • Feeds, das sind die abonnierten Videokanäle

  • Wiedergabelisten, in denen Videos nach eigenem Gusto zusammengestellt werden können

Im rechten Bildschirmbereich werden die Inhalte präsentiert. Je nachdem welcher Eintrag im linken Bereich gewählt wurde, erscheint im rechten Teil entweder ein Gesamtüberblick (Programmführer), ein Suchfenster (Videosuche), die Liste der abonnierten Videos (Medienbibliothek) oder die Inhalte der einzelnen Feeds bzw. Wiedergabelisten.

Das will ich sehen!

Ein guter Startpunkt in Miro ist der Programmführer. Alle Inhaltsseiten (rechte Seite) haben einen Webpage-Charakter und lassen sich auch mit dem Knopf »Im Browser öffnen« im eigenen Internetbrowser anzeigen. Ganz oben gibt es auch einige Schaltflächen, die an die übliche Browser-Navigation erinnern. Der Programmführer informiert über Neues, die verschiedenen Genres und über populäre Shows. Im oberen Teil des rechten Bildschirmbereichs hat der Programmführer einige Schalter, mit denen zwischen »Feeds«, »Sites« und »Videos die ihnen gefallen können« umgeschaltet werden kann.

Abb. 2: zeigt den Programmführer. Bitte klicken Sie auf den Link, wenn Sie die Grafik sehen möchten: (Link Abb.2)

»Feeds« zeigt eine Liste aller verfügbaren Kanäle, »Sites« funktionieren beim Autor wegen Flash-Plugin-Inkompatibilität nicht und »Videos die ihnen gefallen könnten« erklärt sich von selbst. Außerdem gibt es eine Suchmöglichkeit ganz rechts. Spannender wird es bei der zweiten Menüebene: hier können bestimmte Filter auf den Videokatalog angewandt werden. Zur Verfügung stehen:

  • Genres (Sparten)

  • HD Shows (High Definition Videos)

  • Beliebteste

  • Am besten bewertete

  • Neue Shows

  • Videos nach Sprache

  • Eigenes Profil (Benutzerverwaltung)

  • Sprachwahl (Sprache für die Miro Benutzeroberfläche)

Es gibt 31 Genres, die von A wie Arts bis V wie Video Games reichen und teilweise etwas seltsam erscheinen (»Public Broadcasting«, »Transportation«, »Activism«). Neben den Genres bietet die Auswahl nach Sprache einen anderen guten Einstiegspunkt. Es werden Videos in 38 Sprachen angeboten, wobei die Sprache Deutsch mit 417 Shows auf dem zweiten Rang nach den über 4000 englischsprachigen Shows folgt.

Apropos Shows: die Begriffe Show, Channel und Feed werden in Miro synonym verwendet. In allen drei Fällen handelt es sich um eine Sammlung von gleichartigen Videocasts. Zum Beispiel erscheint bei den deutschen Shows als erster Eintrag der Feed »Wissen vor 8«, eine Sendung, in der Ranga Yogeshwar in jeweils 145 Sekunden eine populärwissenschaftliche Frage beantwortet. Von dieser Show gibt es in Miro vier Videos.

Abb. 3: angebotene Shows in Miro. Bitte klicken Sie auf den Link, wenn Sie die Grafik sehen möchten: (Link Abb. 3)

Andere Shows, wie z. B. »Stiftung Warentest« haben wesentlich mehr Videocasts zu bieten. Hat man sich nun mit Hilfe der diversen Ansichten einen Überblick über die Shows verschafft und etwas Interessantes gefunden, kann mit dem Schalter »Add Feed to your Sidebar« die Show abonniert werden. Sie erscheint dann auf der linken Seite als Listeneintrag unter »Feeds«.

Die Suche im Programmführer bezieht sich immer auf die aktuelle Ansicht. Möchte man z. B. nur deutsche Tierfilme sehen, so öffnet man zuerst die Ansicht »Videos nach Sprache« und gibt dann den Suchbegriff »Tier« ein. Eine andere Möglichkeit besteht darin, bei den Profileinstellungen (in Abb. 2 die Schaltfläche »rhersel«) im Feld »Zeige nur Shows in diesen Sprachen« eine Auswahl zu treffen. Danach zeigt Miro grundsätzlich nur Shows in den gewählten Sprachen an.


Feeds verwalten

Je länger man in Miros Programmführer stöbert, umso mehr Shows treffen den persönlichen Geschmack und landen als Eintrag in der eigenen Feed-Liste. Klickt man einen Eintrag in der Feed-Liste an, so werden die Videos des Feeds im rechten Fensterbereich aufgelistet. Dort wird unterschieden zwischen Videos, die bereits auf die Festplatte geladen wurden und solchen, die noch nicht zum Ansehen bereit stehen.

Abb. 4: zeigt die Feed-Verwaltung. Bitte klicken Sie auf den Link, wenn Sie die Grafik sehen möchten: (Link Abb.4)

In Abb. 4 sind die verschiedenen Zustände eines Videos gut zu erkennen. Im linken Bereich erscheint neben dem Namen der Show eine grüne »1«, die anzeigt, dass es ein Video in diesem Feed gibt, das noch nicht angesehen wurde. Im rechten Bereich erkennt man zwei Überschriften: »Gesamter Feed« und »Heruntergeladen«. Bei jedem einzelnen Video steht dessen Name und eine kurze Inhaltsangabe, sowie Datum, Größe und Dauer. Außerdem können mehrere Aktionen durchgeführt werden, die vom Zustand des Videos abhängen:

  • Videos können heruntergeladen werden

  • Bereits heruntergeladene Videos können angesehen oder gelöscht werden

  • Bereits angesehene Videos können:

    • nochmals angesehen werden

    • nach einer bestimmten Anzahl von Tagen automatisch gelöscht werden

    • beibehalten werden (damit wird die automatische Löschung ausgesetzt)

    • sofort gelöscht werden

Ganz oben im rechten Bereich gibt es eine Anzahl nützlicher Funktionen.

Abb. 5: zeigt die Funktionen der Feed-Liste. Bitte klicken Sie auf den Link, wenn Sie die Grafik sehen möchten: (Link Abb. 5)

Für den »Automatischen Download« kann eingestellt werden, ob nur neue, alle oder gar keine Videos heruntergeladen werden sollen. Mit »Feed mit anderen teilen« gelangt man auf eine Webseite, auf der man via Email anderen Miro-Nutzern diesen Feed empfehlen kann. Der Schalter »Einstellungen« öffnet einen Dialog wie er in Abb. 6 zu sehen ist.

Abb. 6: zeigt diverse Einstellungen für Feeds. Bitte klicken Sie auf den Link, wenn Sie die Grafik sehen möchten: (Link Abb. 6)

Hier kann man festlegen, wann der automatische Download gestoppt wird und nach welcher Zeit Videos gelöscht werden. Mit einem weiteren Schalter über der Liste kann der gesamte Feed gelöscht werden. Es gibt auch einige Möglichkeiten für die Sortierung. Wie in Abb. 5 in der dunkelgrauen Zeile zu sehen ist, gibt es für die Videoliste eine reine Listen-Darstellung und eine mit Bildern. Zudem können die Videos nach Name, Datum, Größe und Zeit sortiert werden.

All diese Einstellungen gelten natürlich nur für diesen einen Feed. Möchte man Einstellungen vornehmen, die für alle Feeds gelten, so gibt es dafür im Menü »Video, Optionen« diverse Möglichkeiten.

Nun zurück zur Liste auf der linken Seite. Neben den Shows erscheinen nicht nur grüne Zahlen (für die Anzahl ungesehener Videos) sondern auch blaue Zahlen. Diese zeigen an, wie viele Videos in diesem Feed neu zum herunterladen zur Verfügung stehen.

Ganz unten in der linken Liste befinden sich die Wiedergabelisten. Neue Exemplare dieser Listenart können über das Menü »Wiedergabelisten« erzeugt werden. Selbst Verzeichnisse von Wiedergabelisten können hier erstellt werden. So schön der Gedanke ist, sich die Feeds bzw. Videos in eigenen Listen zusammenzustellen, so traurig ist es, dass diese Funktion in Miro absolut nicht funktioniert. Zumindest hat es der Autor mit tatkräftiger Unterstützung der ganzen Familie nicht geschafft, auch nur ein Video in eine Wiedergabeliste aufzunehmen. Die Wiedergabelisten selbst und auch die Verzeichnisse lassen sich problemlos erstellen. Eine solche (neue) Wiedergabeliste enthält den Kommentar »Um ein Objekt hinzuzufügen, ziehen sie es auf den Namen der Wiedergabeliste in der Seitenleiste«. Das hört sich einfach und einleuchtend an, jedoch scheitert jeder Versuch, irgendein Objekt (Feed oder Video) in die Wiedergabeliste zu ziehen.


Videos ansehen

Na endlich, das wurde auch Zeit. Ein Programm wie Miro ist dafür gemacht, sich Videos anzusehen und nicht um ewig über deren Verwaltung zu philosophieren. Um ein Video zu starten, kann man entweder auf das Bild des Videos doppelklicken oder die »Play« Taste daneben drücken. Sodann wird das Video in fensterfüllender Größe wiedergegeben. Die Qualität hängt davon ab, ob es sich um ein Video in normaler oder in HD-Auflösung handelt. Normale Videos belegen etwa 4 MB pro Minute und High Definition Filme brauchen ca. 8 MB pro Minute. Die Bezeichnung »HD« verspricht mehr als sie erfüllt. Der Autor konnte beim Vergleich von normalen und HD Videos keine riesigen Qualitätsunterschiede feststellen, die die doppelte Größe rechtfertigen würden.

Abb. 7: zeigt ein Video von Angela Merkel in "High Definition" Qualität. Bitte klicken Sie auf den Link, wenn Sie die Grafik sehen möchten: (Link Abb. 7)

Unterhalb des Videobildes gibt es eine Reihe von Schaltern, die auf den ersten Blick einleuchten, bei genauerer Betrachtung aber doch einer kurzen Erklärung bedürfen. Das Suchfeld ganz links unten hat genau die gleiche Bedeutung wie das Suchfeld oben rechts in der Feed-Liste. Im Abspielmodus ist das Feld ausgegraut und hat keinerlei Funktion; es ist somit in dieser Ansicht völlig überflüssig. Die »Forward« und »Rewind» Schalter springen zur Wiedergabe des nächsten bzw. vorherigen Videos in der aktuellen Feed-Liste. Der Knopf rechts neben »Play« schaltet zur Vollbild Darstellung des Bildes. In der Zeitleiste kann mit der Maus das Video in der Zeit positioniert werden. Rechts neben dem »Löschen« Schalter gibt es einen Knopf, der aus dem momentanen Fenster alle Steuerelemente entfernt, so dass nur noch das Videobild anzeigt wird. Das ist sozusagen ein Vollbild in den Grenzen der Fenstergröße.


Fazit

»Miro Internet TV« ist eine gelungene Software zum Finden, Verwalten und Abspielen von Videocasts. Die Benutzeroberfläche ist ansprechend und einfach zu bedienen. Im großen Katalog von angebotenen Videos findet sich sowohl sprachlich als auch inhaltlich für jeden viel Interessantes. Die Download und Löschfunktionen von Miro sind ausgeklügelt und beugen einem unbeabsichtigten »Zumüllen« der Festplatte mit alten oder bereits gesehenen Videos vor. Bei vielen Streaming-basierten Lösungen kann die Qualität der Wiedergabe unter zu geringer Bandbreite für die Übertragung leiden. Das kann bei Miro nicht passieren, da Videos erst angesehen werden können, nachdem sie heruntergeladen wurden. Die einzigen Kritikpunkte sind die lange Startzeit und die nicht funktionierenden Wiedergabelisten. Ansonsten ist das »Miro Internet TV« sehr empfehlenswert und ein weiterer Stern am Open Source-Himmel.


Ralf Hersel
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Informationen:

1) Participatory Culture Foundation

2) Statistik

3) Zattoo

4) Videocast

5) Miro Homepage

6) Achtung Fremdpakete

 

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