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nano - ein Konsoleneditor

Dieser Artikel ist erschienen in freiesMagazin 08/2008 / Autor: Dominik Wagenführ / Lizenz: GNU Free Document License (GNU FDL). Bitte beachten Sie die Lizenzbedingungen, wenn Sie diesen Artikel weiterverwenden. Vielen Dank.

nano - ein Konsoleneditor


von Dominik Wagenführ


Auch wenn Vi mehr oder weniger der Standardeditor für die Konsole auf allen unix- und linuxartigen Betriebssystemen ist, gewöhnt sich der ,,Standardanwender'' nicht sehr schnell an diesen. Die Bedienung ist - vor allem, wenn man nur grafische Oberflächen gewöhnt ist - bei der ersten Benutzung nicht sehr intuitiv. Aus diesem Grund gibt es diverse andere Konsoleneditoren, die leichter zu bedienen sind. Einer davon ist nano  (Link).

Das Wort ,,nano'' ist ein Akronym und steht für ,,Nano’s ANOther editor''. nano soll als freier Pico-Ersatz dienen und lässt sich daher ähnlich handhaben, wurde aber um einige Funktionen erweitert (Pico ist der Editor des PINE Message System (Link)). Ist der Editor (über das Paket nano) installiert, kann man ihn im Terminal per Eingabe von
$ nano
starten.

Bedienung

Zuerst der wichtigste Hinweis bei der Benutzung von nano überhaupt. Am unteren Bildschirmrand stehen die Tastenkürzel für aktuelle Kommandos. Das Zeichen ,,[^( )] '' (Dach) steht dabei für die Taste Strg (festhalten) und ein ,,M-'' für die Taste Alt (festhalten) oder alternativ Esc (einmal drücken). Meist scheitern viele Erstbenutzer allein an diesen zwei kleinen Dingen. Anstelle Strg kann man auch zweimal die Taste Esc drücken.

Hinweis: Startet man nano in einem Terminal (z. B. im GNOME-Terminal), werden einige Tastenkombinationen leider abgefangen und landen nicht im Programm. In diesem Fall muss man auf alternative Tastenkombinationen zurückgreifen, z.B. Esc und D anstelle Alt + D.

Hier klicken um die Grafik [Terminal mit nano in Aktion] zu sehen

Navigation

Die Bedienung von nano ist recht intuitiv. Über die Pfeiltasten bewegt man den Cursor, Bild auf (alternativ Strg + Y oder F7 ) und Bild ab (alternativ Strg + V oder F8 ) scrollen einen Bildschirminhalt hinauf oder hinab und mit Pos1 bzw. Strg + A und Ende bzw. Strg + E gelangt man den Anfang bzw. das Ende einer Zeile. Als Standard bricht nano die Zeilen am Zeilenende automatisch am nächsten Wort um, hierbei gibt es aber einen Sonderfall: Startet man nano mit einer Datei (z. B. nano datei.txt) oder lädt eine Datei per Strg + R , werden überlange Zeilen nicht umgebrochen. Erst, wenn man in diesen Zeilen editiert, erhalten sie ihren Umbruch. Etwas schneller geht dies über die Tastenkombination Strg + J (für ,,Justify'') oder F4 , mit der man den aktuellen Absatz neu ausrichtet. Dies bedeutet, dass doppelte Leerzeichen zwischen zwei Worten und am Ende des Absatzes entfernt werden und zusätzlich, dass am Zeilenende umgebrochen wird. Mittels Alt + J wendet man diese Neuausrichtung auf die ganze Datei an.

Dateibehandlung

Kommen wir auch schon zu den Tastaturkommandos. Strg + R oder F5 öffnet wie gesagt eine Datei, wobei dies nicht ganz korrekt ist, denn Strg + R (für ,,Read File'') fügt per Standard nur den Inhalt einer Datei an die aktuelle Cursorposition ein, was im Falle eines leeren Dokuments natürlich kaum einen Unterschied zum Öffnen macht, außer dass der aktuelle Dateiname nicht gesetzt ist. Man kann dies aber beim Öffnen durch einen Druck auf Alt + F ändern (siehe unten). Beim Einfügen mittels Strg + R sollte man wissen, dass auch die bekannte Tab-Completition (siehe Artikel ,,Tipps und Tricks für den Alltag mit Linux'', freiesMagazin 06/2008 (Link)) aus der Konsole auch hier funktioniert. Wer lieber ohne Tippen navigieren möchte (was vor allem bei aktivierter Mausunterstützung sinnvoll ist), drückt Strg + T (für ,,To Files'') und kann dann im Editorfenster von nano durch die Verzeichnisse und Dateien navigieren.
Mittels Strg + O (für ,,WriteOut'') oder F3 speichert man den aktuellen Dateiinhalt. Ist noch kein Name angegeben, wird nach einem gefragt, wobei man wieder per Strg + T durch die Dateien navigieren kann. Über Alt + A (,,Append'') kann man den Editorinhalt an eine bestehende Datei anfügen oder per Alt + P (,,Prepend'') sogar davor einfügen.
Um nano zu verlassen, drückt man Strg + X (für ,,Exit'') oder F2 . Es wird dabei gefragt, ob ein nicht gespeicherter Inhalt noch gespeichert werden soll.
nano kann natürlich auch mehrere Dateien gleichzeitig im Speicher halten und bearbeiten. Mittels Strg + R und Alt + F (für ,,New Buffer'') kann man eine Datei in einen neuen Buffer laden. Lässt man den Dateinamen leer, wird ein leerer Buffer/eine leere Datei erzeugt. Mittels Alt + < und Alt + Shift + > (oder alternativ Alt + , und Alt + . ) kann man leicht durch alle geöffneten Dateien wandern.

Suchen und Ersetzen
Wichtig ist noch das Suchen mittels Strg + W (für ,,Where is'') bzw. F6 , mit der man nach Text suchen bzw. diesen ersetzen ( Strg + R für ,,Replace'') kann. Ebenfalls hilfreich ist die Rückwärtssuche ( Alt + B ). Hat man einmal gesucht, kann man per Alt + W die letzte Suche erneut durchführen. Den Ersetzen-Dialog erreicht man im Hauptmenü auch über Strg + Alt Gr + ß (also Strg +  ) oder kürzer per Alt + W.

Kopieren, Ausschneiden, Einfügen
Die aktuelle Zeile kopiert man mittels Alt + 6 und schneidet sie per Strg + K oder F9 aus. Einfügen kann man einen in der Zwischenablage liegenden Text per Strg + U bzw. F10 . Natürlich ist es auch möglich, Text zu markieren und zu kopieren oder auszuschneiden. Hierfür drückt man Alt + A und markiert alles ab der aktuellen Cursorposition. Danach kann man über die obigen Tastenkombinationen den markierten Text kopieren oder ausschneiden und dann wieder einfügen.

Hinweis: Kopierte oder ausgeschnittene Zeilen werden nur in der nano-eigenen Zwischenablage gespeichert und sind nicht global, d. h. in anderen Programmen, verfügbar. Steht die Maus zur Verfügung, kann man aber wie gewohnt über die mittlere Maustaste Texte von einer Anwendung zur anderen kopieren.

Programmierung
Sollte man nano zum Programmieren benutzen wollen, stellt der Editor auch hier einige Hilfen bereit. Mittels Alt + Alt Gr + 0 (also Alt + } ) rückt man die aktuelle Zeile um einen Tabulatorabstand ein und mit Alt + Alt Gr + 7 (also Alt + { ) entfernt man diese Einrückung wieder. Wer anstelle der Tabulatoren lieber Leerzeichen erhalten möchte, kann dies mittels Alt + Q umschalten. Alternativ kann man nano auch mit der Option -E (bzw. --tabstospaces) starten. Die Weite der Tabulatoren stellt man über die Option -T ANZAHL (also z. B. -T 4) oder --tabsize=ANZAHL (also -tabsize=4) ein. Der Standardwert für ANZAHL ist 8 .
Auch hilfreich beim Programmieren ist die automatische Einrückung von Zeilen, falls die vorherige Zeile auch eingerückt war. Dies erreicht man über die Tastenkombination Alt + I oder die Option -i bzw. --autoindent. Störend dagegen ist der automatische Zeilenumbruch, den man über Alt + L oder -w bzw. --nowrap deaktivieren kann.
Oft ist man auch daran interessiert, wo man sich im Text gerade befindet. Dazu kann man sich die aktuelle Cursorposition temporär per Strg + C oder permanent mittels Alt + C anzeigen lassen. Den zweiten Zustand erreicht man auch über die Option -c bzw. --const.
Ganz wichtig zum Schluss ist die Suche nach zugehörigen schließenden oder öffnenden Klammern im Quelltext. Diese kann man durch Bewegen des Cursors auf die Klammer und Drücken von Alt + Alt Gr + 9 (also Alt + ] ) finden.
nano beherrscht auch Syntax-Highlighting, also das farbige Hervorheben von Programmierbefehlen. Dies muss aber erst separat in der Konfigurationsdatei (siehe unten) aktiviert werden.

Sonstiges
In manchen Fällen ist auch eine Mausunterstützung wünschenswert, die man per Alt + M oder -m bzw. --mouse aktivieren kann. Danach lassen sich die Befehle in der Hilfeanzeige am unteren Rand von nano mit der Maus aktivieren. Möchte man die Maus auch in einem virtuellen Terminal benutzen, muss man noch das Programm gpm installieren (siehe Artikel ,,Tipps und Tricks für den Alltag mit Linux'', freiesMagazin 07/2008 (Link)).
Zuletzt beherrscht nano auch die Unterstützung für eine Rechtschreibprüfung. Ist ein Rechtschreibprüfer wie ,,ispell'' oder ,,aspell'' installiert, kann man diesen mittels Strg + T oder F12 aufrufen und dann einzeln bestätigen, ob man das Wort ignorieren, einfügen oder ersetzen will. Als Standardrechtschreibprüfer wird das Programm benutzt, welches durch die Umgebungsvariable SPELL definiert ist. Alternativ kann man durch -s PROGRAMM oder --speller=PROGRAMM (also z. B. nano -s ispell) bestimmen, welches Programm benutzt werden soll. Es ist kein Standardprogramm eingestellt, was man aber über die Konfigurationsdatei (siehe nächster Abschnitt) ändern kann.

Konfiguration

Wer will, kann sich über eine bestimmte Datei nano auch so konfigurieren, dass alle Einstellungen gleich zu Beginn korrekt geladen werden. Hierzu verändert man die Datei /etc/nanorc mit Root-Rechten in einem Editor, wobei diese systemweit gilt. Möchte man nur für sich selbst die Einstellungen ändern, kopiert man die Datei in sein Homeverzeichnis als .nanorc und verändert sie dort. Also
$ cp /etc/nanorc /.nanorc
$ nano .nanorc
Für die Aktivierung einer Option entfernt man das Kommentarzeichen (,,#'') am Anfang der jeweiligen Zeile bzw. fügt es hinzu, möchte man eine Option deaktivieren. Man kann am Ende der Datei auch einstellen, für welche Sprachen Syntax-Highlighting aktiviert werden soll. Per Standard wird keine besondere Sprachhervorhebung geladen.

Weitere Dokumentation

Für alle weiteren Befehle benutzt man am besten die nano-eigene Dokumentation, die man über F1 oder Strg + G im Programm erreicht. Auch die Manpage mittels man nano verrät einige zusätzliche nano-Optionen. Etwas geordneter kann man sich die Manpage auch per info nano anschauen, um so durch die einzelnen Abschnitte zu navigieren.

Übungen
  1. Welcher nano-Aufruf wäre für die Programmierung (in Python) sinnvoll? (Hinweis: Die Cursorposition soll eingeschaltet und die nächste Zeile soll automatisch eingerückt werden, Tabulatoren sollen die Größe 4 haben und nur aus Leerzeichen bestehen und der automatische Umbruch ist störend.)
  2. Öffnen Sie mit nano die Datei /etc/X11/xorg.conf (ohne Root-Rechte!), springen Sie an das Ende der Datei und suchen Sie dort rückwärts nach dem Wort ,,Device'' (ohne Anführungszeichen, Groß-/Kleinschreibung beachten).
  3. Öffnen Sie nano und laden Sie die Datei /etc/X11/xorg.conf in das aktuelle Fenster. Markieren Sie die ersten fünf Zeilen und kopieren diese in die Zwischenablage. Erstellen Sie dann eine neue leere Datei in einem neuen Buffer und fügen die kopierten Zeilen ein.
Die Lösungen findet man am Ende des Magazins.

Links

http://www.nano-editor.org/
http://www.washington.edu/pine/
http://www.freiesmagazin.de/freiesMagazin-2008-06
http://www.freiesmagazin.de/freiesMagazin-2008-07

Autoreninformation
Dominik Wagenführ bevorzugt bei seiner Arbeit grundsätzlich grafische Editoren. Sollte es aber notwendig sein, in der Konsole zu arbeiten, greift er auf nano zurück, da ihm Vim zu umständlich ist.
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