Dieser Beitrag ist erschienen in freiesMagazin (Link) 04/2010 / Lizenz: GNU Free Documentation License (GNU FDL) (Link) / Autor: Carsten Rohmann.
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LinuxAdvanced-USB-Edition - Mehr als eine „digitale Schultasche“
von Carsten Rohmann
Linux für die Schule kommt langsam in Fahrt, wie ein Blick auf die Webseite der deutschen Linux-Schulserver-Projekte zeigt [1]. Während in Deutschland Linux-Lösungen für den Schulsektor wie Skole-Linux (Debian-Edu) [2], Seminarix [3] oder der Arktur-Schulserver [4] recht bekannt sind, stehen im Nachbarland Österreich andere Linux-Projekte für Schulen im Fokus der Aufmerksamkeit, beispielsweise der Desktop4Education bzw. der Server4Education auf der Basis von openSUSE [5]. Der vorliegende Artikel möchte den Lesern und Anwendern einen weiteren, kleinen, aber pfiffigen Pinguin vorstellen: das freie „LinuxAdvanced“ aus Krems in Niederösterreich [6]. Das bedeutet kurz gesagt: eine Distribution auf Basis von Debian GNU/Linux stable mit Anleihen von Dreamlinux, Optimierung für Netbooks und Ausrichtung auf den Betrieb im „Live-Modus“.
Als Quelle für diesen Artikel diente primär ein E-Mail-Interview mit den Entwicklern aus dem Jahr 2009/2010. Ergänzend wurden Informationen aus zwei, bereits online veröffentlichten Publikationen über LinuxAdvanced herangezogen:
Einmal aus dem Beitrag „Linux auf dem USB-Stick für den Schuleinsatz“ von Barbara Wimmer bei „Futurezone ORF.at“ vom 13.05.2009 [7] und aus dem Artikel „Fortgeschritten. Schul-Linux von Praktikern für Praktiker.“ von Erik Bärwaldt aus der LinuxUser 6/2009, veröffentlicht bei „Linux Community“ am 20.05.2009 [8].
Know-how macht Schule
Eine „digitale Schultasche“ wird erwachsen
In Abgrenzung zum klassischen Konzept einer „digitalen Schultasche“, die im Schulbildungsbereich meist einen USB-Stick mit portabler Software für Windows bezeichnet, die dann zum Funktionieren einen externen Windows-Rechner braucht, ist LinuxAdvanced ein komplettes Betriebssystem auf Linux-Basis. Zum Einstieg in die Thematik der „digitalen Schultaschen“ empfehlen sich unter anderem die Webseiten des Medienzentrums Kassel [9] und die Webseiten des Informatikservers Graz [10]. Sollte man einen USB-Stick mit portabler Software als eine vollständige digitale Schultasche bezeichnen, wenn dieser Stick auf ein externes Betriebssystem für die Nutzung angewiesen bleibt? LinuxAdvanced stellt aus diesem Blickwinkel gesehen eine „vollständige digitale Schultasche“ dar. Als Voraussetzung braucht es einen geeigneten Rechner (z. B. Desktop-PC, Notebook oder Netbook) bestückt mit Hardware, die von Linux unterstützt wird. Dieser Rechner kann „leer“ sein oder gar andere Betriebssysteme beherbergen. LinuxAdvanced greift im Live-Betrieb nicht auf die Festplatte (und ggf. vorhandene Programme) des Rechners zu, sondern wird als ganzes System direkt vom USB-Stick gestartet und in den Arbeitsspeicher des Rechners geladen. Die Technik, ein Betriebssystem (ohne Installation auf einer Festplatte) nur von einem Startmedium zu betreiben stammt laut der Online-Enzyklopädie „Wikipedia“ bereits aus den frühen Tagen der Entwicklung von Betriebssystemen [11]. In Kombination mit den kleinen USB-Sticks bietet diese „Live-Technik“ inzwischen einige interessante Optionen zum Betrieb von Desktop-Rechnern oder gar Servern.
Der Schwerpunkt des folgenden Beitrags liegt auf der Live-USB-Variante LinuxAdvanced 9.2 für Desktops. Eine Server-Variante gibt es ebenfalls, diese kann jedoch nur kurz beschrieben werden, weil sonst der Rahmen dieses Artikels gesprengt werden würde.
Das Projekt
Entwickelt wird LinuxAdvanced seit Anfang 2007. Das freie Schulprojekt wird kostenlos zur Verfügung gestellt und ist für den Einsatz an Schulen im deutschen Sprachraum optimiert. Darüber hinaus zielt die Distribution im Gegensatz zu ähnlichen Linux-Lösungen aus dem Bildungsbereich auf einen universellen Einsatz ab und präsentiert sich als brauchbare „Allround-Distribution“. Die Software-Auswahl soll die häufigsten Alltagsanforderungen eines normalen Nutzers abdecken und wurde mit der Zielsetzung einer maximalen Übersichtlichkeit zusammengestellt. So steht für jeden Anwendungsfall in der Regel nur ein Programm zur Verfügung.
Das macht LinuxAdvanced nicht nur für Schulen, sondern auch für kleinere Netzwerk-Szenarien und Heimanwender interessant. Ein vorkonfiguriertes Debian stable, auf Ressourcenschonung ausgelegt, sowohl für die Festplatteninstallation als auch für den Live-Betrieb geeignet und obendrein für Netbooks optimiert - wer kann schon so einer Versuchung widerstehen? Zumal weitere benötigte Programme, wie von Debian gewohnt, per APT, aptitude oder Synaptic nachinstalliert werden können.
Den Entwicklern von LinuxAdvanced ist es wichtig, dass die Software von den Schülern auch zu Hause problemlos genutzt werden kann. Außerdem sehen es die Entwickler gerne, wenn eine gewisse Breitenwirkung und Akzeptanz ihrer Distribution auch außerhalb des Schulbereichs erreicht wird.
Die Entwickler
LinuxAdvanced ist ein Gemeinschaftswerk von engagierten Lehrern des Bundesgymnasiums „Rechte Kremszeile“ (Mag. Dr. Klaus Misof/Projekt-Koordination, MMag. Rene Schwarzinger/Öffentlichkeitsarbeit) und des Bundesrealgymnasiums in Zwettl (Mag. Ewald Zimmermann/Server-Edition). (Anmerkung: „Mag.“ steht für Magister und „MMag.“ steht für Magister in zwei Studiengängen. Inzwischen wurde dieser akademische Abschluss auch in Österreich ersetzt durch den „Master of Science“ (MSc)). Als außerschulischer Projektmitarbeiter fungiert Gerhard Öttel, der sich um die Infrastruktur im Hintergrund (Newsletter, Forum und Bugtracking-System) kümmert; den Server-Speicherplatz für den Online-Auftritt von LinuxAdvanced stellt Markus Gonaus von der Linux-User-Group/Freie-Software-Gruppe Krems zur Verfügung.
Viele Systemverwaltungsprogramme haben die Entwickler aus Alltagsfragestellungen entwickelt und selbst geschrieben. Alles in allem macht das Projekt den Eindruck, dass an der Praxis orientierte Entwickler am Werk sind und eine flexible, auf die Erfordernisse des Schulalltags ausgerichtete Linux-Distribution zusammengestellt haben. Wer sich von einem Teil des Teams ein Bild machen möchte, der kann sich ein wenig im Foto-Album umsehen, das über die Projektseite erreichbar ist [12]
Eine Idee - diverse Kreationen
LinuxAdvanced 9.2 basiert auf dem stabilen Debian GNU/Linux 5.0 (Lenny) und hat eine ganze Menge zu bieten: Es gibt eine Desktop- und eine Server-Variante. Die Desktop-Variante gliedert sich auf in eine „kleine“ CD-Edition, eine „große“ DVD-Edition und in eine USB-Edition (die vom Leistungsumfang her mit der DVD-Variante identisch ist). Alle Desktop-Editionen können im Live-Modus betrieben oder wahlweise auf der Festplatte installiert werden. Als grafische Arbeitsumgebung dient das übersichtliche und ressourcenschonende Xfce.
Die LinuxAdvanced-Editionen
Die CD-Edition ist für ältere Rechner vorgesehen, die über kein DVD-Laufwerk verfügen und die nicht von USB-Medien gestartet werden können. Sie enthält eine geringere Software-Auswahl als die DVD-Edition. Die damit bereitgestellten Programme genügen aber für die üblicherweise zu erledigenden Aufgaben. Eine genaue Beschreibung der CD-Variante bietet die Projektseite unter der Rubrik „Live-CD“ [13]. Die CD-Version befindet sich auf dem Stand LinuxAdvanced 9.1, wurde also bisher nicht aktualisiert.
Die DVD-Edition erweitert die Software-Auswahl der CD-Edition um viele zusätzliche Sprachunterstützungen und Programme. Eine detaillierte Beschreibung der DVD-Variante von LinuxAdvanced 9.2 findet sich auf der Homepage des Projektes unter der Rubrik „Live-DVD“ [14].
Die USB-Edition enthält die gleiche Software wie die DVD-Edition. Auf einem USB-Stick können eigene Daten und Einstellungen dauerhaft gespeichert werden. Es ist möglich, Programme nachträglich zu installieren und diese (und sonstige) Änderungen am System mit der Snapshot-Funktion permanent zu machen. Die USB-Version wurde zudem so konzipiert, dass ein Datenaustausch zwischen Linux, Mac und Windows über eine separate Daten-Partition problemlos möglich ist. Eine genaue Beschreibung der USB-Variante LinuxAdvanced 9.2 wird auf der Homepage des Projektes unter der Rubrik „Live-USB“ zur Verfügung gestellt [15].
Die Server-Edition wird vorerst nur als Installationsvariante in der Version 9.1 zur Verfügung gestellt. In Zukunft wird auch eine Server-Live-Edition folgen. Die Server-Edition ist auf eine Linux-Client-Umgebung optimiert, speziell auf schulische Anforderungen abgestimmt und nur für kleine Netzwerke ausgelegt. Eine Besonderheit stellt die zentrale und einfache Verwaltung der Clients durch den Netzwerkadministrator dar, wie auf der Projektseite zu erfahren ist [16].
Reichlich Programme
Die Distribution lässt in ihrer Software-Auswahl einen unverkrampften Pragmatismus erkennen: Alles, was für ihren Verwendungszweck bewährt und hilfreich ist, wurde zu einem sinnvollen Ganzen zusammengefügt. So finden Anwender beispielsweise aus der Welt von GNOME, KDE und Xfce eine bunte Mischung von Programmen, mit denen sie effizient arbeiten können.
Für den Alltagsgebrauch bietet das Sortiment z. B. den Webbrowser Iceweasel (die Debian-Variante des Mozilla Firefox), das E-Mail-Programm Icedove (die Debian-Variante von Thunderbird), das umfangreiche Bürosoftwarepaket OpenOffice.org in der Version 3.1, das Brennprogramm k3b, den Videoplayer Totem-Xine, den Audio-Editor Audacity und das Bildbearbeitungsprogramm GIMP.
Schüler sollten einen Blick in die Rubrik „Education“ werfen. Neben Lernprogrammen für Mathematik wie GeoGebra, KBruch und wxMaxima werden dort Chemie-Programme, Stellarium, der Latein-Vokabeltrainer Klatin und das Zehnfinger-Schreiblernprogramm KTouch angeboten.
Auch Lehrer kommen hier auf ihre Kosten. Diese dürften Gefallen an JClic finden, einem integrierten Lern- und Autorensystem, das kein programmiertechnisches Wissen voraussetzt. JClic ermöglicht es, mit wenig Aufwand multimediale Lehrinhalte für den Unterricht zu erstellen [17].
Auch an Virtualisierung wurde gedacht, LinuxAdvanced 9.2 kommt zu diesem Zweck mit dem bekannten Programm VirtualBox Open-Source-Edition (OSE) in der Version 1.6.6, das eine komfortable Einrichtung virtueller Maschinen erlaubt. So können, entsprechend leistungsfähige Hardware vorausgesetzt, auf LinuxAdvanced als Wirt-Betriebssystem gleichzeitig mehrere Gast-Betriebssysteme laufen. Zudem bietet LinuxAdvanced als weitere Option für eine Windows-Virtualisierung die von den Entwicklern bereits vorkonfigurierte Laufzeitumgebung Wine.
Eingebaute Bremsen
LinuxAdvanced kann standardmäßig nur die Linux-Dateisysteme ext2 und ext3 und die Windows-Dateisysteme vfat und ntfs einbinden (mounten). Ebenso fällt auf, dass von einem laufenden USB-Stick aus kein bequemer Zugriff auf die Festplatte eines Linux- oder Windows-Rechners ermöglicht wird. Da muss der Anwender schon die Kommandozeile bemühen; der Zugang auf vorhandene Partitionen soll nicht automatisch erfolgen. Als Grund für diese Restriktionen geben die Entwickler an, dass zu viele einbindbare Dateisysteme ein Sicherheitsrisiko beim Umgang von Schülern mit dem System darstellen können. Die nächste Version von LinuxAdvanced soll jedoch wieder etwas flexibler werden und den Zugriff auf deutlich mehr Dateisysteme erlauben.
Schulische Zielgruppen
Schultypen
Die primäre Zielgruppe von LinuxAdvanced sind zur Zeit die Allgemeinbildenden Höheren Schulen (AHS) sowie die Hauptschulen (HS). Grundsätzlich kann der LinuxAdvanced-USB-Stick auch in der Volksschule (VS) sowie in den Berufsbildenden Höheren Schulen (BHS) verwendet werden. Bei den BHS sind größere Schwierigkeiten bei der Umstellung auf Linux zu erwarten, bedingt durch den Einsatz von proprietären, auf Windows angepassten Spezialprogrammen.
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Kleiner Exkurs über das Schulsystem in Österreich: Die grundlegenden bildungspolitischen Vorgaben, d. h. Schulorganisation und Lehrpläne, sind in Österreich Aufgaben des Bundes. Die Gymnasien und Höheren Schulen, wie BHS, sind Bundessache. Es gibt grundsätzlich drei verschiedene Typen von Gymnasien (AHS): das wirtschaftskundliche Realgymnasium, das Realgymnasium und das Gymnasium. Das Bundesgymnasium Rechte Kremszeile ist ein wirtschaftskundliches Realgymnasium mit Schwerpunkt Informatik. Der Pflichtschulbereich (in den neun österreichischen Bundesländern) unterliegt den Landesschulräten bzw. Bezirksschulräten. Für die Hauptschulen und Volksschulen sind finanziell die Gemeinden verantwortlich (Ausstattung, Gebäudeverwaltung). Die Schüler kommen im Alter von durchschnittlich zehn Jahren auf das Gymnasium und verlassen sie mit der Matura (Abitur) im Alter von 18 oder 19 Jahren.
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Altersgruppen
Nach Auskunft der Entwickler wurde die Lernsoftware von LinuxAdvanced primär für die Altersstufe von zehn bis 19 Jahren zusammengestellt.
Welche Schulfächer werden einbezogen?
Grundsätzlich kommt LinuxAdvanced für alle Schulfächer zum Einsatz. Nach Angaben der Lehrer ist die Häufigkeit der Nutzung von LinuxAdvanced in einigen Fächern wie Informatik höher als in anderen. LinuxAdvanced ist in das Gesamtunterrichtskonzept integriert, die Schüler können per LinuxAdvanced auf die schulinterne E-Lernplattformen „Claroline“ zugreifen. Informationen dazu finden sich auf der Webseite des BG Rechte Kremszeile [18].
Schülerbeteiligung
In die technische Entwicklung selbst sind zur Zeit keine Schüer eingebunden. Jedoch soll das Hintergrundbild für LinuxAdvanced 2011 im Schuljahr 2009/10 durch einen Kreativ-Wettbewerb im Bundesland Niederösterreich ermittelt werden. Natürlich fließen die Rückmeldungen von Schülern in die Entwicklung ein. Wenn gewisse Routinen für Schüler zu kompliziert sind, versuchen die Entwickler diese Rückmeldung in den nächsten Versionen zu verwerten.
Aufbruch in die Zukunft
Ab jetzt nur noch „Live“
Der Schwerpunkt der Projekt-Entwicklung liegt auf der Live-USB-Edition und zielt auf eine Abkehr von klassischen Client-Server Strukturen. Hier offenbart das englische Wort „Advanced“ im Namen eine visionäre Dimension: Sowohl alle Rechner der Schüler und Lehrer als auch der Server sollen zukünftig völlig im Live-Betrieb laufen.
Am Bundesgymnasium Rechte Kremszeile wurden schon im Herbst 2009 eigene Netbook-Klassen eingerichtet, die alle mit LinuxAdvanced 9.2 auf dem USB-Stick ausgestattet sind. 2010 sollen auch alle EDV-Säle auf Live-Betrieb umgestellt werden. Der Vorteil wird in einem geringeren Wartungsaufwand bei gleichzeitig erhöhter Flexibilität gesehen.
Der USB-Version auf den Stick geschaut
Größenverhältnisse
Das installierte Linux-Betriebssystem beansprucht ungefähr 1,4 GB Speicherplatz (als DVD- und USB-Variante) und passt damit (theoretisch) auf einen 2-GB-Stick. Allerdings hat man in diesem Falle kaum noch Platz für Daten oder nachinstallierte Anwendungen. Denn auf dem USB-Stick zeigen sich nach der Installation drei Partitionen: eine Systempartition (in der nachinstallierte Programme landen), eine Anwenderpartition mit einem Homeverzeichnis für eigene Dateien und eine zusätzliche Datenaustauschpartition im Windows-Format (vfat). Diese fällt bei einem 2-GB-Stick erfahrungsgemäß so klein aus, dass man lieber gleich zu einen 4-GB- oder 8-GB-Stick greifen sollte. So hat man dann mehr Freude an seinem USB-Linux. Allerdings wächst mit der Größe des USB-Sticks nur der Umfang der Datenaustauschpartition, der Umfang der Systempartition und des Homeverzeichnisses bleibt stets gleich. Die Daten auf der Austauschpartition können neben Windows natürlich auch unter Mac genutzt werden.
Zur Installation
Auf der Projektseite werden unter der Rubrik „Live-USB“ ein 4-GB- und ein 8-GB-Image zum Download angeboten. Sehr praktisch: Dort findet sich auch gleich eine kurze Installationsanleitung mit wertvollen Hinweisen [15]. Das Installationsprogramm kann USB-Sticks bis 32 GB ansprechen. Falls der Stick, den man bespielen möchte, nicht exakt 4, 8, 16 oder 32 GB groß ist - was bei den meisten Produkten der Fall sein dürfte - sollte man zum Gelingen der Installation lieber auf die Live-CD- oder Live-DVD zurückgreifen. Die dort angebotene Installationsroutine kommt mit den realen Größen der USB-Sticks bestens zurecht. Das dafür vorgesehene Installationsprogramm macht zwar einen spartanischen Eindruck (es läuft skriptgesteuert im Terminal), funktioniert aber tadellos. Im Live-Betrieb wird ein Installationsbutton auf dem Desktop gezeigt, über den die Installation angestoßen werden kann. Die Live-DVD entspricht vom installierten Software-Umfang der Live-USB-Version.
Die Lehrer beteiligen die Schüler bereits frühzeitig an den ersten Schritten in der Handhabung von LinuxAdvanced und lassen sie beispielsweise ihre USB-Sticks im Informatiksaal der Schule eigenständig einrichten. Nur etwas mehr als fünf Minuten dauert der dafür notwendige Kopiervorgang. Danach können die Schüler das fertige System in den Unterricht und später nach Hause mitnehmen.
Wer eine ausführliche Installationsanleitung für die Festplatteninstallation oder die USB-Installationsvariante braucht, wird auf der Projektseite unter der Rubrik „Dokumentation“ fündig (der der mit einem Plus gekennzeichnete Button). Die Dokumente sind informativ, sehr klar und verständlich gestaltet und mit reichlich Abbildungen versehen. Sie werden im PDF-Format zur Verfügung gestellt [19].
Inzwischen steht auch eine Anleitung für ein grafisches Werkzeug zur Erstellung von LinuxAdvanced-USB-Sticks unter Windows-Betriebssystemen im LinuxAdvanced-Wiki bereit [20].
Stick gegen Cash
„Kauf Dir einen“ - wer es sich einfacher machen will und bereit ist etwas Geld ausgeben: Ein vorkonfektionierter und geprüfter 4 GB-USB-Stick kann bei den Entwicklern für 20 € erworben werden. Die USB-Stick Variante enthält die gleichen Programme wie die DVD. Bei Interesse wendet man sich an die „Misof & Schwarzinger OpenIT OG“, die über die bereits erwähnte Projektwebseite zu erreichen ist [15].
Der Systemstart
Das BIOS muss mitspielen
Im BIOS eines modernen Rechners kann die Startreihenfolge von Datenträgern eingestellt werden. Das Projekt gibt Anwendern dazu auf seiner Webseite ein ausführliches Dokument zum Herunterladen an die Hand [21]. Man kann festlegen, welche Medien beim Start zuerst abgefragt werden sollen. Daher kann man auch einstellen, dass zuerst vom eingesteckten USB-Stick gebootet wird. Danach erst werden die anderen Datenträger (wie CD-Rom oder Festplatte) abgefragt. Zieht man den USB-Stick vor dem Systemstart wieder ab, dann bootet der Rechner wie gewohnt z. B. von der Festplatte. So kann man sehr einfach den LinuxAdvanced-Stick auch an einem Rechner mit Windows-Betriebssystem benutzen. Voraussetzung ist nur, dass sich das BIOS des jeweiligen Rechners entsprechend einstellen lässt und die Hardware des Rechners vom USB-Live-Linuxsystem erkannt und unterstützt wird.
Welcher Kernel soll's denn sein?
LinuxAdvanced bietet beim Start der Live-Medien (und auch bei einer Festplatteninstallation) im Bootmenü erfreulich viele Optionen: Über „Nimm zwei“ werden unter anderem zwei unterschiedliche Kernelversionen angeboten. Die Bootoption „LA (Standard)“, eine für 686er-Prozessoren optimierte Version, empfiehlt sich für moderne Rechner mit CPUs ab Pentium III. Alternativ besteht mit „LA-486 (alte PCs)“ die Wahl eines Kernels für ältere Pentium-I/II-Prozessoren.
BILD 1 (Link)
LinuxAdvanced Auswahlmenü.
Ist die Auswahl getroffen und der Befehl zum Systemstart abgeschickt, präsentiert sich der Boot-Bildschirm mit einem Hintergrundbild und einem gelben Balken als Fortschrittsanzeige. LinuxAdvanced überrascht mit einer recht guten Erkennung der Hardware bei mobilen Geräten wie Netbooks und Laptops. Der Systemstart dauerte bei der USB-Version (wegen der Einbindung nachinstallierter Programme) auf einem Testlaptop etwa zehn Sekunden länger als bei der Festplatteninstallation, ein ordentlicher und akzeptabler Wert.
BILD 2 (Link)
Der LinuxAdvanced-Bootsplash mit Fortschrittsanzeige.
Der Live-Betrieb
Wenn das USB-Live-System gestartet und der Xfce-Desktop vollständig geladen wurde, kann mit einer geringfügigen Verzögerung nahezu so schnell wie mit der Festplatteninstallation gearbeitet werden. Die Arbeitsumgebung bootet direkt in ein fest vorgegebenes Anwenderkonto namens user. Ein weiteres, persönliches Nutzerkonto kann derzeit weder bei der Installation der Live-USB-Version, noch später im Live-Betrieb angelegt werden. Die Festplatteninstallation lässt das aber selbstverständlich zu.
Dass man mit der Live-USB-Variante unterwegs ist, verraten im Vergleich zur Festplatteninstallation vier Buttons auf der Desktop-Oberfläche: „LA-92“ (für die Systempartition), „home-rw“für die Partition mit dem beschreibbaren Homeverzeichnis, „DATEN“ (für die beschreibbare Austauschpartition im Dateiformat vfat) und der Button für die Installation.
Bei der geladenen Arbeitsumgebung fällt sogleich eine Dockbar am unteren Rand ins Auge: LinuxAdvanced hat die Wbar integriert, eine einfach konfigurierbare Schnellstartleiste mit geringem Ressourcenverbrauch. Weitere Informationen zur Wbar finden sich auf der Projektseite bei Freshmeat [22].
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Der Standard-Desktop der USB-Version mit Buttons und der Wbar. (Bildschirmfoto von einem Notebook, nicht von einem Netbook.)
Kleines 1x1 der Live-Systemverwaltung
LinuxAdvanced bringt für den USB-Live-Betrieb einige Extras mit, von denen im Folgenden vier herausgegriffen und exemplarisch kurz vorgestellt werden: die Nachinstallation von unfreier Software, die Sicherung des aktuellen Systemzustandes, der Datenaustausch und Goodies für Netbooks.
Unfreie Software
Dem Anwender stehen nach wie vor die gewohnten Systemwerkzeuge der Debian-Systemverwaltung zur Verfügung: die Kommandozeilen-Werkzeuge APT, aptitude und die grafische Paketverwaltung Synaptic. LinuxAdvanced bietet darüber hinaus eine weitere Applikation: den LinuxAdvanced-Apps-Installer. Diese Bezeichnung steht für eine Komfortfunktion zur einfachen Nachinstallation von häufig verwendeten Zusatzprogrammen, die jedoch aus rechtlichen Gründen nicht in der Distribution enthalten sein können. Die Applikation ist an Easy Install von Dreamlinux angelehnt. Folgende Programme bietet das LinuxAdvanced-Apps-Installer-Menü zur Installation an: Google Earth, Skype, Adobe Flash, Acrobat Reader, LAME MP3 En-/Decoder, W32Codecs En-/Decoder, Non-free GStreamer, MS-Fonts, Opera, Touchpad und Broadcom43xx.
BILD 4 (Link)
Der LinuxAdvanced-Apps-Installer mit zusätzlichen, unfreien Programmen.
Wenn man per LinuxAdvanced-Apps-Installer eine Anwendung nachträglich installiert hat, erfolgt automatisch eine Erinnerung, den Neuzugang mit der Schnappschuss-Funktion zu sichern.
Schnappschüsse leicht gemacht
Für den Live-Betrieb der USB-Sticks (und nur da, nicht bei den Live-CDs/DVDs oder Festplatteninstallationen) gibt es als Systemverwaltungswerkzeug die oben bereits erwähnte Schnappschuss-Funktion: LinuxAdvanced-Snapshot. Sie ist eine Eigenentwicklung des LinuxAdvanced-Teams. Damit kann man den aktuellen Systemzustand im USB-Live-Modus sichern und auch wieder einspielen.
Benötigt wird das, wenn im USB-Live-Betrieb Programme nachinstalliert wurden und permanent gemacht werden sollen. Damit die neuen Programme beim nächsten Start des USB-Sticks verfügbar sind, sollte daher nach der Installation ein Snapshot zur Sicherung angelegt werden.
Der Schnappschuss wird als komprimierte Datei standardmäßig in der Systempartition abgelegt und wird beim nächsten Start des USB-Sticks automatisch eingebunden. Er kann jedoch auch anderweitig gespeichert werden, beispielsweise auf einem anderen USB-Stick. Vorgefertigte Snapshots können Schülern zur Verfügung gestellt und von diesen eingespielt werden.
BILD 5 (Link)
Die LinuxAdvanced-Snapshot-Anwendung der USB-Edition.
Hinweis: Die Entwickler empfehlen im Live-Modus nur die Installation wirklich benötigter Zusatzprogramme, da sonst der Systemstart etwas verlangsamt wird. Je mehr zusätzliche Programme nachträglich installiert werden, desto langsamer wird leider der Systemstart.
Auf der Dokumentationsseite des Projekts wird eine anschauliche Anleitung zum Umgang mit dem LinuxAdvanced-Apps-Installer und der Schnappschuss-Funktion im PDF-Format zur Verfügung gestellt [23].
LinuxShare - Datenaustausch im Netzwerk
Neben der Partition DATEN, die der Speicherung und dem Austausch von persönlichen Daten dient, gibt es noch das Werkzeug LinuxShare. Es ermöglicht im USB-Live-Betrieb den schnellen Austausch von Daten zwischen den einzelnen USB-Sticks, z. B. zwischen Lehrern und Schülern im Lese- oder Schreibmodus. Die LinuxShare-Verwaltung wird über „PROGRAMME Pfeil rechts Netzwerk“ im Menü gestartet. Die nötigen Vorgehensweisen sind sehr gut anhand der betreffenden Dokumentation nachvollziehbar, die von der Webseite des Projektes als PDF heruntergeladen werden kann [24].
Wenn alles geklappt hat, erscheint auf dem Desktop ein Ordner mit dem Namen LinuxShare, der die Verbindung zur Dateifreigabe herstellt. In diesem Verzeichnis befinden sich alle eingebundenen Dateifreigaben. Jede Quelle (Freigabe des Anbieters) wird durch einen Ordner mit der IP-Adresse gekennzeichnet. Je nach gewähltem Modus (readonly, readwrite) werden die Verzeichnisse/Dateien mit oder ohne Vorhängeschloss dargestellt.
Goodies für Netbooks
LinuxAdvanced funktioniere auf etlichen Netbooks sehr gut, so die Entwickler. Manche Netbooks haben zwar seltene Hardware verbaut und bereiten Probleme beim Booten, dennoch sei das Paradigma von USB-Live-Systemen optimal für Netbook-Klassen.
Folgende Optimierungen für Netbooks wurden vorgenommen:
- Auflösung: Optimierung bei der Auflösung, z. B. sind Fenster bei 600 Pixel Breite ganz sichtbar
- Bildschirmhelligkeit: Icons zur Anpassung der Bildschirmhelligkeit tragen zur Verlängerung der Ausdauer des Akkus bei
- WLAN-Karten: LinuxAdvanced 9.2 kommt mit zusätzlichen WLAN-Treibern
- Integration von KPowersave
Komfort ist Trumpf
Systemwerkzeuge
Doch mit den vorstehend genannten Systemverwaltungsapplikationen ist bei LinuxAdvanced noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Von den LinuxAdvanced-Entwicklern selbst geschrieben sind all jene Systemverwaltungswerkzeuge, die mit LinuxAdvanced bzw. LA im Programmnamen beginnen. Besonders fällt das schicke Kontrollzentrum auf, das dem einen oder anderen vielleicht bekannt vorkommen dürfte. Richtig, es basiert auf jenem von Dreamlinux aus Brasilien und wurde mit nur wenigen Modifikationen übernommen [25]. Eine Neugestaltung des Kontrollzentrums wird nach Angaben der Entwickler voraussichtlich für LinuxAdvanced Version 10 erfolgen.
BILD 6 (Link)
Das LinuxAdvanced-Kontrollzentrum - Dreamlinux lässt grüßen.
Innovationen bei LinuxAdvanced 9.2
Die aktuelle Version LinuxAdvanced 9.2 bringt einige Neuerungen für einen verbesserten Bedienungskomfort. Die wichtigsten davon sind:
- Die Datenpartition wird automatisch eingebunden und im Live-Modus auch gleich als Speicherort in OpenOffice.org vorgeschlagen. So können die Anwender ihre Daten schneller und einfacher auf dem USB-Stick speichern.
- Der LinuxAdvanced-to-USB-Installer wurde in seiner Funktionalität erweitert. Nun besteht die Wahl:
- den kompletten USB-Stick neu anzulegen
- nur die System- und Homepartitionen neu zu bespielen (die vorhandene Datenpartition bleibt dabei erhalten)
- gesondert lediglich die Systempartition zu aktualisieren (die bestehende Homepartition samt den persönlichen Einstellungen und die vorhandene Datenpartitionen bleiben erhalten)
Das LinuxAdvanced-USB-Installationsprogramm mit Auswahlmenü
- Ein LinuxAdvanced-Wicd-Konfigurationswerkzeug wurde hinzugefügt, das automatisch die richtige WLAN-Schnittstelle erkennt und in den Wicd-Manager einträgt. Die Nutzer erlangen dadurch schneller und einfacher einen Zugang ins WLAN.
- Mittels VNC wurde eine LinuxAdvanced-Remote-Access-Anwendung integriert, um z. B. Bildschirme von Schülern auf den Beamer projizieren zu können. Ab der Version 10 wird eine für Live-Systeme optimierte Prüfungsumgebung zur Verfügung stehen, die keine aufwändige Konfiguration erfordert und nützliche Programme wie eine Internetsperre beinhalten wird.
- Sollte die Homepartition beim Starten des Systems schon mit über 80 % des verfügbaren Speicherplatzes belegt sein, erscheint eine entsprechende und aussagekräftige Meldung für die Anwender. Zudem existiert nun eine LinuxAdvanced-Cleaning-Anwendung zur einfachen Säuberung der Homepartition.
- Die LinuxAdvanced-Share-Anwendung wurde verbessert und funktioniert nun sowohl im Live-Modus als auch im installierten Modus korrekt im LAN und WLAN.
- Ein LinuxAdvanced-System-RW-Werkzeug wurde integriert, um als Root einfache und dauerhafte Anpassungen am System durchführen zu können. Ein einfaches Anwendungsbeispiel zeigen die Punkte 8 und 9.
- Auf der Systempartition existiert ein Copy-Verzeichnis, das selbst erstellte Skripte beinhaltet, die beim Start von LinuxAdvanced in das System hineinkopiert werden.
- Auf der Systempartition wurde ein zusätzliches Wallpaper-Verzeichnis angelegt, in das Nutzer selbst ein Hintergrundbild kopieren können, das dann auch für LinuxAdvanced-to-USB zur Verfügung steht. Bevor Nutzer also eine größere Anzahl an USB-Sticks mit LinuxAdvanced-to-USB bespielen, können sie somit einfach selbst ein eigenes Standard-Hintergrundbild definieren.
BILD 8 (Link)
Die LinuxAdvanced-Cleaning-Applikation.
Das fliegende Klassenzimmer
Netbook-Klassen mit Live-Systemen
Im Herbst 2009 wurden in Krems zwei Netbook-Klassen gestartet, zwei dritte Klassen. In den beiden Netbook-Klassen werden insgesamt 46 Schüler unterrichtet, die durchschnittlich 13 Jahre alt sind. Jeder Desktop-Computer wird an der Schule (Informatik-Säle, Netbook-Klassen) per LinuxAdvanced-USB-Edition betrieben. Der Schulserver ist derzeit noch fest installiert und übernimmt nur noch die benötigte Internetfilterung. Ein Fileserver ist nicht mehr notwendig, da die Schüler ihre Daten alle auf dem eigenen USB-Stick haben und eine Lernplattform sowie LinuxShare benutzen können.
2010 soll ein mobiler Seminarraum folgen, der ausschließlich mit Live-USB-Sticks betrieben werden kann. Aufwändige, installierte Client-Server-Strukturen sind an Schulen dann nicht (mehr) notwendig und können durch schlankere Strukturen abgelöst werden. Man erhofft sich dadurch eine verbesserte räumliche Flexibilität und geringeren Wartungsaufwand an den Systemen.
Ein paar Worte zur Server-Variante
Zur Zeit ist die Servervariante ausschließlich für die Installation auf Festplatte vorgesehen. Sie soll aber in Zukunft optional als Live-Server konzipiert werden, d. h. sie kann dann sowohl direkt vom USB-Stick betrieben als auch auf Festplatte installiert werden. Die Server-Edition wird in Zusammenarbeit mit Mag. Ewald Zimmermann vom Bundesrealgymnasium in Zwettl entwickelt.
Die Server-Edition wurde speziell auf eine Umgebung mit Linux-Clients abgestimmt und bietet eine Vielzahl notwendiger Dienste, die im Schulbereich gebraucht werden, zum Beispiel Mailserver, Webserver, zentrale Anwenderverwaltung, Dateiserver und Remote-Software-Installation.
Besonderen Schwerpunkt legen die Entwickler auf die einfache, zentrale Verwaltung der Linux-Clients durch den Netzwerkadministrator. Die für den Schulbetrieb wichtigsten Dienste können schnell und komfortabel mithilfe einiger von den Entwicklern selbst geschriebener Skripte installiert werden, ohne dass dem Administrator dazu außerordentliche Kenntnisse der Server- und Netzwerkfunktionen abverlangt werden.
Verträge der Schulen mit Microsoft laufen aus
Die aktuellen Verträge mit Microsoft für Windows-Betriebssysteme laufen an Österreichs Schulen bis zum Jahr 2012. Danach ist noch nicht klar, inwiefern jede Schule das Geld für die benötigten Lizenzen selbst aufbringen muss.
Das bringt einige Schulen bereits ins Grübeln, denn ab diesem Schuljahr müssen die Generallizenzen für Microsoft-Office-Pakete, die vom Bund für die Schulen erworben wurden, von den jeweiligen Schulen finanziell selbst getragen werden. Daher sparen sich seit diesem Jahr Schulen, die auf Microsoft Office verzichten (und stattdessen OpenOffice.org einsetzen), einen gewissen Geldbetrag für jeden beim Ministerium gemeldeten Rechner. Natürlich hofft man mit dem Einsatz von Linux in der Schule zukünftig auch Kosten einzusparen.
Aber auch aus pädagogischer Sicht ist der Einsatz von Linux u. a. aus diesen zwei Gründen wertvoll:
- Die Schüler erfahren eine Horizonterweiterung. Ihnen werden Alternativen neben dem allgegenwärtigen Windows und Microsoft Office gezeigt. So lernen Schüler eben nicht speziell „Word“, sondern prinzipiell und umfassender, was es heißt, mit einer „Textverarbeitung“ umzugehen.
- Verhinderung von „Raubkopien“. Die Schüler sollen nicht zu unlizensierten Kopien ermutigt werden, wenn sie auch zu Hause mit den Programmen arbeiten wollen oder müssen wie in der Schule.
Im Fokus der UNESCO
LinuxAdvanced ist preisverdächtig! Es ist eines der Projekte, die 2009 für den „UNESCO King Hamad Bin Isa Al-Khalifa Prize for the Use of ICTs in Education“ nominiert wurden. Der diesjährige Schwerpunkt lag auf dem Thema: „Teaching, Learning and e-Pedagogy: Teacher Professional Development for Knowledge Societies“. LinuxAdvanced wurde vom österreichischen Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur (BMUKK) und von UNESCO Österreich für diesen innovativen IT-Preis vorgeschlagen und schaffte es sogar in die Endausscheidung der Jury, die Mitte November 2009 in Paris tagte. Obwohl es nicht für die ersten Plätze gereicht hat, stellt die Nominierung eine hohe Auszeichnung für dieses österreichische Projekt dar.
BILD 9 (Link)
Ein Netbook mit USB-Live-System aus einer der Netbook-Schulklassen in Krems. © Misof & Schwarzinger OpenIT OG Creative Commons nc-by-sa 3.0
Kooperation erwünscht
Selbstverständlich hat man bei LinuxAdvanced Interesse an Kooperationen und Synergien mit anderen Debian-Edu-Distributionen. In der Schweiz gibt es ein verwandtes Projekt, das sich „Lernstick“ nennt [26]. Es basiert ebenfalls auf Debian-Live und die Entwickler arbeiten an sehr ähnlichen Fragestellungen wie LinuxAdvanced. Ein Kontakt wurde vom LinuxAdvanced-Team bereits hergestellt, eine enge Kooperation existiert jedoch derzeit noch nicht. Ähnlich sieht es mit Skolelinux aus, auch hier wurde Kontakt zu Kurt Gramlich und Klaus Knopper aufgenommen, die an der Betreuung eines umfassenden Skolelinux-Projekts in Rheinland-Pfalz beteiligt sind. Informationen zu dem Projekt sind auf den deutschen Debian-Nachrichtenseiten nachzulesen [27].
Fazit: Vielseitig, praktisch, gut
Das pragmatisch geprägte LinuxAdvanced hinterlässt bei einem Heimanwender einen positiven Eindruck, sowohl als Festplatteninstallation, als auch in der USB-Stick-Variante für den mobilen Einsatz an verschiedenen Rechnern. Es hat ein sorgfältig ausgesuchtes Softwaresortiment für die tägliche Arbeit an Bord und zeigt sich auch im Bereich Multimedia von einer brauchbaren Seite. LinuxAdvanced erweist sich im täglichen Einsatz seit Monaten als erfreulich stabil. Zudem arbeitet man damit recht flott. Wer wechselweise an Linux- und Windows-Rechnern oder Macs arbeitet, lernt schnell den praktischen Wert der „DATEN“-Austauschpartition auf seinem USB-Stick schätzen. Insgesamt ist diese Distribution eine „runde Sache“.
Besonders gut hat - neben der praxisorientierten Ausrichtung und Benutzerfreundlichkeit der Distribution - die Dokumentation gefallen. Sie ist offensichtlich primär für Schüler geschrieben und daher sehr informativ, knackig, reduziert auf das Wesentliche und mit vielen aussagekräftigen Abbildungen bereichert. Man merkt, dass hier Pädagogen am Werk sind, die komplexe Sachverhalte einfach und klar vermitteln können.
Wer nicht aus Österreich kommt und sich an der landesspezifischen Lokalisierung stören sollte (z. B. heißt der Monat „Januar“ dort offiziell „Jänner“), kann dies mit Debian-Bordwerkzeugen auf seine gewünschte Lokalisierung umstellen. Erste Hinweise zur dann erforderlichen Nacharbeit finden sich bei LinuxWiki.org [28].
„Nobody is perfect“ und natürlich gibt es auch bei LinuxAdvanced noch einiges zu verbessern. Was wäre denn noch wünschenswert? Da kommen einem sicher Stichworte wie diese in den Sinn: Update-Verwaltung, USB-Stick-Verschlüsselung und eine Funktion zum Remastern. Keine bescheidenen Wünsche, aber wer weiß. Was nicht ist, kann ja noch werden ...
LinuxAdvanced ist nicht nur für Schulen empfehlenswert. Zu beachten ist allerdings, dass der Schwerpunkt bei der Entwicklung und beim praktischem Einsatz auf der USB-Live-Edition liegt. Die Installation auf Festplatte spielt eine untergeordnete Rolle.
Wenn ich LinuxAdvanced mit drei Worten beschreiben sollte: Vielseitig, praktisch, gut.
Links
- http://www.linux-schulserver.de/
- http://www.skolelinux.de/
- http://www.seminarix.org/files/start.html
- http://arktur.de/
- http://d4e.at/index.php
- http://www.linuxadvanced.at/
- http://futurezone.orf.at/stories/1603209/
- http://www.linux-community.de/Internal/Artikel/Print-Artikel/LinuxUser/2009/06/Fortgeschritten
- http://www.medienzentrum-kassel.de/kasseler-schulen-am-netz/digitale-schultasche
- http://isneu.informatikserver.at/index.php/digitale-schultasche
- http://de.wikipedia.org/wiki/Live-System
- http://www.linuxadvanced.at/grafiken/albumshaper/LinuxAdvanced/subalbum_2.html
- http://www.linuxadvanced.at/la_cd.html
- http://www.linuxadvanced.at/la_dvd.html
- http://www.linuxadvanced.at/la_usb.html
- http://www.linuxadvanced.at/la_server.html
- http://clic.eduhi.at/index.php?modul=jclicprojekt
- http://www.bg-kremszeile.ac.at/claroline/claroline1811/
- http://www.linuxadvanced.at/la_dokumentation.html
- http://wiki.linuxadvanced.at/index.php/Installation
- http://www.linuxadvanced.at/dokumentationen/la-usb_bios.pdf
- http://unix.freshmeat.net/projects/wbar/
- http://www.linuxadvanced.at/dokumentationen/la-apps-snapshot.pdf
- http://www.linuxadvanced.at/dokumentationen/la-usb.pdf
- http://www.dreamlinux.com.br/
- http://www.imedias.ch/lernstick
- http://www.debian.org/News/2009/20090315.de.html
- http://linuxwiki.de/Debian/locales
Autoreninformation:
Carsten Rohmann experimentiert seit dem Erscheinen von Knoppix gelegentlich mit (Linux-)Live-Systemen. Das zunehmende Interesse an freien Softwareprojekten, die einem konkreten sozialen Zweck dienen, führte ihn zum Thema „Linux in der Schule“ - beides zusammen zur Beschäftigung mit LinuxAdvanced.
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