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Eine zu bewältigende Aufgabe: Linux Professional Institute Certification

 

Dieser Beitrag ist erschienen in freiesMagazin (Link) 02/2010 / Lizenz: GNU Free Documentation License (GNU FDL) (Link) / Autor: Jens Hevike.

Wenn Sie diesen Artikel weiterverwenden möchten, beachten Sie bitte die Lizenzbedingungen. Vielen Dank.

 

Eine zu bewältigende Aufgabe: Linux Professional Institute Certification

von Jens Hevike


Linux ist gerade im professionellen Bereich ein schnell wachsender Markt. Wer mithalten will, tut gut daran, sein Wissen und seinen Marktwert durch eine Linux-Zertifizierung zu verbessern. Die Möglichkeiten dazu bietet das Linux Professional Institute, kurz LPI [1].

Die Non-Profit-Organisation aus Kanada kümmert sich um die Auswahl der Themen und die Erstellung von Fragen über die distributionsunabhängige Zertifizierung. Das Institut hält sich weitgehend an die Empfehlungen der Linux Standard Base (LSB) [2].

Zertifizierungsstufen

Die LPI-Zertifizierung ist dabei in drei Stufen unterteilt. Für die ersten beiden Stufen müssen je zwei Prüfungen abgelegt werden. Für die dritte Stufe wird dann ein sogenannter Core- und einer von sieben Spezialbereichen absolviert.

Vom LPI wird empfohlen sich alle zwei Jahre neu zu zertifizieren. Allerdings wechseln die Zertifikate erst nach Ablauf von fünf Jahren in den inaktiven Status, wobei immer das Datum des zuletzt abgelegten Levels gilt. Wenn man einen höheren Level vor Ablauf der Zeit ablegt, wird automatisch auch der niedrigere Level auf das aktuelle Datum gebracht. Es ist dabei nur möglich, einen höheren Level abzulegen, solange die niedrigeren noch aktiv sind. Eine Neuzertifizierung ist erst nach zwei Jahren möglich.

LPIC-1-Zertifizierung

Wer sich an die erste Prüfung, also die LPIC-1-Zertifizierung herantraut, wird in grundlegenden Kenntnissen über Linux getestet. Dazu gehören unter anderem die Systemarchitektur, der Bootvorgang, GNU-Programme und ihre Kombination, Prozessverwaltung, vi, Filesystem, Bash-Scripting, SQL, X11, Useradministration, Jobscheduling, Druck und Netzwerk.

Die Prüfungen setzen sich aus Multiple-Choice-Fragen und Fragen mit eigenen Textantworten zusammen. Jeder Test besteht aus 60 Fragen, die aus einem Pool entnommen werden. Dabei sind die einzelnen Fragen unterschiedlich gewichtet. Die Gewichtung ist den einzelnen Themengebiete auf der LPI-Website zu entnehmen [3]. Je höher die Gewichtung, umso wahrscheinlicher werden Fragen zu dem entsprechenden Thema gestellt.

Nachdem der Abschluss der Prüfung bestätigt wurde, wird das Ergebnis direkt ausgestellt. Von 800 möglichen Punkten müssen 500 zum Bestehen erreicht werden.

Vorkenntnisse

Vorkenntnisse sind auf jeden Fall empfehlenswert, aber nicht zwangsläufig nötig. Die Informationen, die im Internet zur Vorbereitung zu finden sind, sind dabei hilfreich [4] [5]. In vielen Fällen sind sie allerdings veraltet, weil die Prüfungen immer wieder aktualisiert werden.

Das LPI gibt im Vorfeld der Prüfung nicht nur die Themengebiete, sondern auch wichtige Programme sowie Konfigurationsdateien vor, die abgefragt werden. Es ist deshalb auch empfehlenswert, sich ein auf die Prüfung zugeschnittenes Buch anzuschaffen. Hervorzuheben - als Kurzreferenz zum Nachschlagen - sind dabei „Linux - kurz & gut“ von Daniel J. Barrett und Torsten Wilhelm und „LPIC-1: Sicher zur erfolgreichen Linux-Zertifizierung“ von Harald Maaßen; letzteres Buch beinhaltet zusätzlich einen Prüfungssimulator auf CD.

Derlei Simulatoren sind auch im Internet zu finden [6]. Sie helfen einem, den eigenen Wissensstand einzuschätzen, und geben einen Einblick über den Ablauf der Prüfung. Natürlich sind die Manpages, die auch zum Prüfungsstoff zählen, unbedingt zu benutzen. Für den dickeren Geldbeutel werden auch Kurse angeboten [7].

Prüfung

Die Prüfungen können bei den zwei Anbietern VUE und Prometric, welche deutschlandweit Prüfungszentren betreiben, abgelegt werden. Die Gebühren betragen für jede Prüfung 135 € zuzüglich Mehrwertsteuer. Außerdem ist es möglich, die Prüfungen bei sogenannten LPI-AAPs (Approved Academic Partners [8]) abzulegen. Dies sind zum Beispiel Universitäten oder Schulen. Des Weiteren befinden sich auf bestimmten Messen wie der „FOSDEM“ oder der „CeBit“ Stände, an denen die Prüfungen abgelegt werden können. Der Vorteil ist die erheblich geringere Prüfungsgebühr von nur 75 € zuzüglich Mehrwertsteuer. Allerdings müssen die Prüfungen dort in Papierform abgelegt werden und das Ergebnis wird dementsprechend erst nach einer manuellen Überprüfung per Post mitgeteilt. Eine aktuelle Liste der Partner und Termine ist der LPI-Website zu entnehmen. Bevor man sich für die Prüfung anmelden kann, ist es nötig, sich bei der LPI einen Zugang anzulegen [9].

Teilweise wird sehr genaues Wissen verlangt. Der Prüfling muss einzelne Optionen oder ganze Pfade auswendig kennen. Andererseits ist es bei manchen Fragen auch möglich, nach dem Ausschlussverfahren vorzugehen, womit die Prüfung zu einer machbaren Aufgabe wird.

Beispielsweise könnten die Fragen folgendermaßen lauten:

  1. Mit welchem Programm (mit Option) ist es möglich, einem Log-File fortlaufend zu folgen?

  2. Was ist der Zweck des Builtin-Kommandos export der Bash?

    • es erlaubt allen Festplatten, remote eingehängt zu werden

    • es erlaubt das Ausführen eines Kommandos in einer Subshell

    • es macht die Kommando-History für Subshells verfügbar

    • es setzt Umgebungsvariablen für Anwendungsprogramme

    • es gibt NFS-Partitionen zur Benutzung durch andere Systeme frei

  3. Ein Benutzer möchte für sich selbst die Variable PATH modifizieren. Welche Konfigurationsdatei muss er bearbeiten?

Wie viel Zeit für die Vorbereitung nötig ist, ist dabei schwer zu sagen. Wer sich schon öfter mit der Konsole beschäftigt hat oder Linux sogar regelmäßig einsetzt, sollte mit ein paar Wochen täglicher Übung keine größeren Schwierigkeiten haben.

Bei Nichtbestehen einer Prüfung kann diese nach zwei Wochen wiederholt werden. Bei erneutem Durchfallen muss man aber 90 Tage vor einem erneuten Versuch warten.

Empfohlene Literatur:

  • Daniel J. Barrett und Torsten Wilhelm: „Linux - kurz & gut“, O'Reilly, 2004

  • Harald Maaßen: „LPIC-1: Sicher zur erfolgreichen Linux-Zertifizierung“, Galileo Press, 2009

Links

  1. http://www.lpi.org/

  2. http://www.linuxbase.org/

  3. http://www.lpi.org/eng/certification/the_lpic_program

  4. http://www.linux-praxis.de/

  5. http://www.linux-magazin.de/NEWS/LPIC-Vorbereitung-in-24-Teilen

  6. http://www.linux-praxis.de/lpisim/lpi.html

  7. http://academy.linux-magazin.de/

  8. http://www.lpi-german.de/laap/index.php

  9. https://cs.lpi.org/caf/Xamman/register

 

Autoreninformation

Jens Hevike hat die LPIC-1-Prüfungen abgelegt. In der Freizeit und im Beruf als Systemoperator beschäftigt er sich seit zwei Jahren mit Linux bzw. Unix. Seine bevorzugte Distribution ist Ubuntu.

 

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