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Was ist easys GNU/Linux ? Ein Interview mit dem Projekt easys

Dieser Beitrag ist erschienen in freiesMagazin 08/2008 / Lizenz:  GNU Free Documentation License (GNU FDL) / Autor: Christian Kehr. Wenn Sie diesen Artikel weiterverwenden möchten, tun Sie dies bitte unter Beachtung der Lizenzbedingungen. Vielen Dank.


Interview mit Projektmitarbeitern von easys GNU/Linux
  

von Christian Kehr


D
iesen Monat präsentieren wir ein Interview mit Marcus Möller, Projektgründer von easys GNU/Linux (Link), der zuständig für Koordination, Entwicklung und Erstellung des Basissystems ist, sowie mit Carsten Rohmann, Mitarbeiter im Projekt und zuständig für Übersetzungen, Dokumentation und Beta-Tests.

freies
Magazin Wie kamen Sie zu Linux?
Marcus Möller Anfang der 90er Jahre habe ich meine ersten 286er-PC mit DOS und Windows 3.11 erworben. Vom Funktionsumfang und der Leistungsfähigkeit des Betriebssystems war ich so enttäuscht, dass ich schon bald nach Alternativen gesucht habe. Linux bot sich da an.

Wie kamen Sie zu diesem Projekt?

1998 habe ich angefangen, die debianbasierte Distribution Bonzai Linux (Link) zu entwickeln. Das Ziel war es, ein möglichst einfach zu installierendes und schlankes Desktop-Betriebssystem zu schaffen. Leider stellten die vermeintlich einfachen Verwaltungsprogramme von Debian eher eine Hürde als eine Erleichterung dar. Mit Einführung des Debian-Installers haben wir uns dann endgültig entschieden, in Zukunft Slackware als Basissystem zu nutzen.

Warum dieses Projekt?

Slackware bietet zwar ein relativ einfach zu bedienendes, aber leider rein englischsprachiges Installationssystem. Für viele stellt dies eine unüberwindbare Hürde dar. Auch die fein graduierbare Paketauswahl verleitet so manchen Slackware-Neuling der Einfachheit halber, alle verfügbaren Pakete zu installieren. Mit easys bieten wir ein grafisch installier- und konfigurierbares Slackware, das eine auf den Desktop-Betrieb ausgelegte Paketauswahl beinhaltet.

Welche Zielgruppe soll angesprochen werden?

Selbsternanntes Ziel von easys ist es, die Verbreitung von Slackware zu fördern. Angesprochen sind Anwender, die bisher an der Slackware-Installation gescheitert sind oder auch Slackware-Benutzer, die einfach und schnell ein gut vorkonfiguriertes Desktopsystem installieren möchten.

freies
Magazin In Zusammenhang mit easys GNU/Linux tauchen die Begriffe ALICE und YaLI auf. Was hat es mit ALICE und YaLI auf sich?
Carsten Rohmann ALICE ist eine englische Abkürzung für ,,Advanced Linux Installation and Configuration Environment'' - auf deutsch: fortschrittliche Linux-Installations- und Konfigurationsumgebung. Es ist ein Framework zur grafischen Systemadministration. Ein Teil von ALICE ist das Installationsprogramm YaLI, eine englische Abkürzung für ,,Yet another Linux Installer'' - zu deutsch: noch ein weiteres Linux-Installationsprogramm. Der Großteil der ALICE-Entwickler kommt aus Rumänien. ALICE ist eine Gemeinschaftsproduktion, d. h. ALICE wird für mehrere Linux-Distributionen gleichzeitig entwickelt und verwendet. Von jeder Distribution, die ALICE einsetzt, sind einige Leute bei der Entwicklung von ALICE beteiligt, z. B. programmiert Marcus Möller auch selber und steuerte Code für YaLI bei. Im Moment setzen die Distributionen DARKSTAR Linux (Link), Bluewhite64 Linux (Link) und easys GNU/Linux ALICE ein.

Was tut easys bzw. deren Entwickler für Barrierefreiheit, sodass auch behinderte Nutzer das System leicht bedienen können?

Die easys-Webseite wurde möglichst einfach gestaltet unter Verzicht auf medialen Overkill jeglicher Art. Das ist noch nicht das Optimum, aber wir hoffen, dass z. B. sehbehinderte Benutzer auf unserer Website gut navigieren können. In das nächste Release von easys GNU/Linux wollen wir für die angebotenen Desktop-Umgebungen Zugangshilfen (z. B. Bildschirmlupe, Sprachsynthesizer, Sprachausgabe etc.) integrieren, was bisher aus Platzgründen auf der CD noch nicht möglich war. Insgesamt sind wir uns der Thematik ,,Barrierefreiheit'' bewusst, können aber leider noch nicht mehr anbieten. Allerdings würden wir das gerne tun und sind dabei auf die Mithilfe von Menschen mit Behinderungen angewiesen. Wenn sich betreffende Benutzer bei uns melden, können wir mit ihrer Hilfe unsere Website und unsere Distribution barrierefreundlicher machen.


Das erst kürzlich veröffentlichte Easys GNU/Linux 4.01.

Wie kann man sich beim Projekt easys GNU/Linux bei Interesse selbst einbringen und welcher Zeitaufwand ist dazu erforderlich?
Das Team ist für alle Menschen offen, die Interesse an einer Mitarbeit haben - egal, ob im Bereich Programmentwicklung, Kernelentwicklung, Produktdesign/künstlerische Gestaltung, Webseitengestaltung, Dokumentation, Übersetzung (Englisch, Französisch, Spanisch ...) oder wie oben angesprochen das Thema Barrierefreiheit ... Man sollte einfach mit uns Kontakt aufnehmen! Das Team ist aufgeschlossen, freundlich und freut sich über jede Unterstützung. Es ist die Entscheidung eines jeden Einzelnen, wie viel Zeit er in das Projekt einbringt. Es gibt da keine Vorgaben.

Welche Fachkenntnisse muss man dazu mitbringen?
Keine. ;-) Es gibt keine speziellen fachlichen Voraussetzungen. Jeder bringt von Haus aus irgendetwas mit, das im Projekt gebraucht wird. Gerade Menschen, die nicht aus dem technischen (IT-)Bereich kommen, werden in Open-Source-Projekten wichtiger, z. B. Dokumentatoren und Übersetzer. Ich selbst gehöre zu dieser Kategorie von Mitarbeitern. Ich kann zwar nicht programmieren, jedoch kann ich mich sinnvoll als Übersetzer, Beta-Tester und Autor von Dokumentationen einbringen. Das können viele andere ebenso. Ich möchte allen Interessenten Mut machen, es einfach zu versuchen!

Können Sie absolut unerfahrenen Linux-Benutzern easys GNU/Linux als Einstiegsbetriebssystem empfehlen?
M. M. easys richtet sich in erster Linie an Anwender, die Interesse an Slackware haben, bisher aber aufgrund der englischsprachigen, textbasierten Installationsroutine von Slackware gescheitert sind. Darüber hinaus bietet easys eine Vielzahl von Konfigurationsprogrammen zur Administration des installierten Systems. So sind auch Einsteiger in der Lage, schnell und einfach in den Genuss eines gut vorkonfigurierten Slackware-Desktopsystems zu kommen.

Über welche Plattformen kommuniziert das Team mit interessierten Anwendern bei Fragen rund um easys?
C. R. Deutsche Benutzer können ihre Fragen zu easys im deutschen Slackware-Forum (Link) stellen. Das easys-Team hat bewusst eine englischsprachige Mailingliste eingerichtet, um auch den englischsprachigen Benutzern ein passendes Angebot bieten zu können. Erreichbar ist diese, übrigens moderierte Liste über Google-Groups (Link). Sie ist offen für alle interessierten Benutzer. Die Entwickler und Teammitglieder kommunizieren untereinander über eine extra Entwickler-Mailingliste.

freiesMagazin bedankt sich bei Marcus Möller und Carsten Rohmann für das Interview.

Links

http://easys.gnulinux.de/de/
http://developer.berlios.de/projects/bonzai/
http://www.darkstarlinux.ro/
http://www.bluewhite64.com/
http://www.slackforum.de
http://groups.google.com/group/easys-users

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