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OpenSolaris 2008.11 - Das neue „Sonnensystem“

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Dieser Beitrag ist erschienen in freiesMagazin Link 01/2009 / Lizenz:  GNU Free Documentation License (GNU FDL) / Autor: Carsten Rohmann.

Wenn Sie diesen Artikel weiterverwenden möchten, beachten Sie bitte die Lizenzbedingungen. Vielen Dank.


Das neue „Sonnensystem“ - Ein Blick auf OpenSolaris 2008.11

von Carsten Rohmann

Eine neue Version von OpenSolaris ist am 2. Dezember 2008 erschienen, sie trägt die nüchterne Versionsnummer 2008.11 und kommt in Form einer Live-CD und eines USB-Images. OpenSolaris-Releases erscheinen jedes halbe Jahr. Die aktuelle Version 2008.11 ist Nachfolger der Version 2008.05 vom Mai 2008. Als Desktop kommt GNOME 2.24 zum Einsatz, flankiert von gängigen Anwendungen wie Firefox 3, Evolution-Mail, Thunderbird und den unter Linux bekannten GNU-Tools sowie der Bash. Unter der Motorhaube verbirgt sich Solaris-Technik, die im Vergleich zur Vorgängerversion deutlich erweitert und deren Anwenderfreundlichkeit verbessert wurde. In diesem Einführungsartikel werden die Hintergründe des neuen „Sonnensystems“ beleuchtet, ein Überblick über die „legendären“ Features gegeben, die es zu bieten hat. Ferner wird die Lizenzproblematik unter die Lupe genommen und der Versuch einer vorläufigen Einschätzung dieses Betriebssystems aus der Perspektive eines Heimanwenders gewagt.

Am Anfang war Solaris

Solaris (Link) ist ein proprietäres, bekanntes Unix-Betriebssystem der Firma Sun Microsystems (Link). Die aktuelle Version ist Solaris 10. Der Quellcode von Solaris wurde Anfang 2005 schrittweise freigegeben. Dies war ein kompliziertes Verfahren und ein langer, zäher Weg. Warum? Weil Solaris z. B. Quellcode enthielt, der von Dritten geschrieben wurde und die Verträge dazu das Thema Open Sourcing nicht abdeckten. Dass Sun überhaupt Solaris zu Open Source machen konnte, ergab sich nicht zuletzt aus den eigenständigen Unix-Rechten, die Sun vor Jahren von Novell erworben hatte (daher ist Sun auch nicht von SCO abhängig). Das Klären der rechtlichen Situation einzelner Komponenten nahm viel Zeit in Anspruch - und endete öfter darin, dass Code deswegen neu geschrieben wurde. Im Mai 2007 wurde von Sun schließlich das Project Indiana (Link) gestartet, mit dem Ziel Solaris und Linux miteinander kompatibler zu machen. Das Ergebnis ist ein Betriebssystem in binärer Form: OpenSolaris (Link). Der OpenSolaris-Quellcode (Link) stellt den aktuellen Entwicklungsstand von Solaris dar (Link).

 

[Grafik] Der Bootsscreen der Live-CD von OpenSolaris Bitte klicken Sie auf den Link wenn Sie die Grafik sehen möchten: Link

Bildunterschrift: die Live-CD kann man direkt mit Vergrößerungsglas oder Screenreader starten.

Verwickelte Verhältnisse

OpenSolaris wird bisher nicht unter der von GNU/Linux bekannten General Public License (GPL) (Link) veröffentlicht, sondern es unterliegt einem Konstrukt miteinander kombinierter und verschränkter anderer Lizenzen. Deren wichtigste, da sie den größten Teil des Quellcodes betrifft, ist die Common Development and Distribution License (CDDL) (Link). Die CDDL ist eine von der Open Source Initiative (OSI) (Link) und der Free Software Foundation (FSF) (Link) bestätigte freie Lizenz (Link), die sich jedoch von der GPL unterscheidet und mit ihr nicht völlig kompatibel ist. Die GPL ist eine restriktivere Lizenz als die CDDL. Nähere Ausführungen dazu erfolgen weiter unten im Kapitel „Die Lizenzproblematik“.

Aufbruch Richtung Linux

Die Leitung des Project Indiana übernahm im Mai 2007 kein geringerer als Ian Murdock, der Gründer des bekannten Debian GNU/Linux-Projektes, der seit März 2007 für Sun arbeitet. Die Firma hat sich damit ein prominentes „Zugpferd“ aus der Linux-Szene an Land geholt. Für ihn wurde extra eine neue Position im Unternehmen geschaffen, die des Chief Operating Platforms Officer. Seine Aufgabe ist es seitdem, die Solaris- und Linux-Aktivitäten von Sun zu koordinieren und strategisch neu auszurichten (Link). Ian Murdock blieb jedoch weiterhin bei der Linux Foundation (Link) und dort der Leiter der Linux Standard Base (LSB) (Link), an der er seine Arbeit fortsetzen konnte. In diesem Video (Link) und in seinem Weblog (Link) (Blog aktuell nicht erreichbar) kann man mehr über ihn und seine Arbeit erfahren.

Vom Feinsten: Technische Raffinessen

Doch nun zur Technik. OpenSolaris 2008.11 wird viel gelobt für das neue Dateisystem ZFS, seine Boot-Environment-Verwaltung (BEadm), sein Profil-Managementsystem Role Based Access Control (RBAC), seinen System-Tracer Dtrace, seine Diensteverwaltung Service Management Facility (SMF), seine Virtualisierung über Zones und Container und nicht zuletzt auch wegen seines Image-Packaging-System (IPS). Als nützliche Werkzeuge sind besonders erwähnenswert das Device Driver Utility (Gerätetreiber-Dienstprogramm) und das Time Slider Utility (automatisierte Dateisystem-Backups).


[Grafik] Die OpenSolaris Diensteverwaltung (SMF). Bitte klicken Sie auf den Link wenn Sie die Grafik sehen möchten: Link
Bildunterschrift: Dienste lassen sich grafisch ein- und ausschalten.

Fundierte Dokumentation bietet Sun zu allen technischen Themenbereichen von Solaris und OpenSolaris an. Leider befindet sich diese nicht an einem zentralen Ort, sondern ist auf viele Stellen verteilt. Ein wenig „Schnitzeljagd“ ist also angesagt. Eine gute Ausgangsbasis für Recherchen sind folgende Adressen: http://docs.sun.com/app/, http://www.sun.com/bigadmin/content/, http://www.opensolaris.com/learn/ und http://opensolaris.org/os/project/de/. Sun hat Handlungsbedarf erkannt und reagierte mit dem „Documentation Consolidation (Docs) Download Center“ (Link). Zudem sind folgende Blogs ebenfalls sehr lesenswert (Auswahl ist subjektiv und nicht vollständig): http://blogs.sun.com/observatory/, http://blogs.sun.com/solarium/, http://c0t0d0s0.org/ und http://raichoo.blogspot.com/

.

Im folgenden Überblick wird vereinzelt auf weitere Quellen verwiesen.

Das Dateisystem ZFS

Dem Abschnitt über ZFS könnte man locker eine ganze Bücher-Serie widmen: „ZFS - eine Entwicklungsgeschichte in Fortsetzungsbänden“. ZFS befindet sich in fortwährender Weiterentwicklung. Mit „ZFS - eine Einführung“ (Link) finden vor allem Einsteiger einen Beitrag, der bei den ersten Schritten mit ZFS hilfreich ist. Für Freaks gibt es weiterführen Infos zu ZFS bei Sun (Link), im Obervatory-Blog (Link) und bei Chaosradio (Link).

Im Release 2008.11 kommt ZFS in Version 13 und unterstützt die L2ARC von OpenStorage, so können die Vorteile von SSD-Platten (Solid-State-Drives) und HDD-Platten (Hybrid-Hard-Disks) kombiniert werden. Eine oder mehrere SSD-Platten können als Cache für viele HDD-Platten fungieren. So nutzt man die Performance von SSD und hat zugleich die Speicherkapazität von kostengünstigen HDD-Platten (Link

).

Namensgebung: ZFS war vormals die Abkürzung von „Zettabyte File System“, damit wurde aber zu sehr der Kapazitätsaspekt betont und zuwenig die anderen Vorteile von ZFS. Deswegen heißt es jetzt nur noch ZFS (kein Akronym).

Eigenschaften: Sehr kurz (und nicht ganz vollständig) zusammengefasst bietet ZFS Folgendes: vereinfachtes Anlegen und Einbinden von Partitionen, Erstellung von System-Snapshots (Backups) und vereinfachtes Rollback (Wiedereinspielen) derselben, writable Clones (beschreibbare und benutzbare Schnappschüsse), Integration von Raid- und Volume-Management- Funktionen, eine Kombination aus Prüfsummen und Copy-on-Write-Mechanismen, automatisch im Hintergrund laufende Selbstheilungsmechanismen und einen 128-Bit-Adressraum, der als zukunftssicher gilt. Der „Hammer“ bei der Geschichte ist: ZFS kommt dabei mit sage und schreibe nur zwei Befehlen aus. Diese heißen zpool und zfs. Ab Version 2008.11 kann man auch von ZFS booten. Unklar sind jedoch noch die Rechtsstreitigkeiten mit NetApp (Link). Zusammenfassend kann man sagen, das ZFS diverse Merkmale von Journaling-Dateisystemen und relationalen Datenbanken vereint. Man darf zudem davon ausgehen, dass ZFS bei den heute üblichen Speichertechnologien auf lange Sicht nicht an Kapazitätsgrenzen stoßen wird und angesichts der Beschränkungen der bisherigen (teilweise veralteten) Dateisysteme einen Ausweg aus der sich abzeichnenden Misere bietet (vgl. Zisler, Harald: „Solaris 10 & OpenSolaris. Einführung, Administration, Anwendung“, S. 257, Franzis Verlag).


[Grafik] Ein vom Benutzer modifizierter Desktop. Bitte klicken Sie auf den Link wenn Sie die Grafik sehen möchten: Link
Bildunterschrift: der OpenSolaris-Desktop (nach der Einrichtung).

Portierungen auf andere Betriebssysteme: Der Sun-Mitarbeiter Jeff Bonwick gilt als Erfinder des Sun-Dateisystems ZFS und ist die erste Adresse, wenn es um Portierungen geht (Link). ZFS ist Open Source (CDDL) und hat in der IT-Welt eine enorme Resonanz erzeugt. So haben u. a. das FreeBSD-Projekt und die Firma Apple schon längst mit der Portierung begonnen und können erste Ergebnisse vorweisen. In FreeBSD z. B. erfordert ZFS sehr leistungsfähige Hardware, doch an der Aufhebung dieser Einschränkung wird intensiv gearbeitet. Die Integration von ZFS in Linux ist momentan mehr aus lizenzrechtlichen denn aus technischen Gründen schwierig (Stichwort: Inkompatibilität des GPL-Linuxkernels mit dem CDDL-ZFS), ein erstes Projekt „ZFS on Linux“ versucht dies daher über FUSE (Filesystem in User Space) zu realisieren (Link).

Boot Environment Verwaltung (BEadm)

Dieses Feature von OpenSolaris erlaubt die Nutzung mehrerer Instanzen des Betriebssystems auf der Festplatte. Das Besondere dabei: Das verbraucht nicht einmal besonders viel Speicherplatz. Man kann beliebig viele Instanzen anlegen. Beispiel: Nach der Installation von OpenSolaris entschließt man sich zu einem System-Update. Die frische Installation bleibt dadurch nach wie vor erhalten und kann gebootet werden. Die aktualisierte Version des Betriebssystems bekommt eine neue Instanz (gespeichert wird nur die Differenz zur „alten“ Installation) und einen extra Eintrag im Bootmenü von Grub. Beim Systemstart hat man die Wahl, welche Version von OpenSolaris gestartet werden soll (Link).

Role Based Access Control (RBAC)

Die rollenbasierte Zugriffskontrolle ermöglicht dem Systemverwalter eine Feinjustierung von Benutzerrechten. Wichtig dabei sind die Begriffe Authorization (Autorisierung), Profiles (Profile) und Roles (Rollen). Mithilfe dieser Komponenten kann der Systemadministrator normalen Benutzern Befugnisse viel exakter zuweisen als das mit dem klassischen Schema von Owner-Group-World möglich ist. Der RBAC-Mechanismus wird fortlaufend weiterentwickelt (Link) (Link).

Service Management Facility (SMF)

Systemdienste können unter OpenSolaris zentral mit der Diensteverwaltung SMF gesteuert werden (Link). Diese sorgt für einen schnellen Systemstart (außer beim ersten Boot, da dauert der Start wegen der erstmaligen Registrierung der Dienste länger) und kann grafisch über die GNOME-Diensteverwaltung bedient werden. Auf der Kommandozeile lässt sich SMF per svcadm und svcs steuern (vgl. Müller, Andrea: „Solaris-Spezialitäten“, S. 135, in: c't special 03/2008 - Linux. Heise Zeitschriften Verlag).

Dynamic System Tracer (DTrace)

Dieses Programm scheint wie geschaffen für Entwickler und Systemadministratoren (Link). Es kann bei einem laufenden System das Verhalten anderer Programme etc. beobachten, aufzeichnen und auswerten. Und dies ohne Verluste an Systemperformance. Es versteht die DTrace-eigene Programmiersprache D, eine Sprache ähnlich C (um spezifische Funktionen zum Tracen erweitert; D-Programme ähneln von der Struktur her awk-Programmen). DTrace hat in den letzten Monaten einige Updates erhalten wie z. B. den IP-Provider zum Tracen von Netzwerkstack-Aktivitäten. Das Werkzeug ist bereits 2006 mit dem Technologie Innovation Award des Wall Street Journals ausgezeichnet worden (vgl. Müller, Andrea: „Solaris-Spezialitäten“, S. 137, in: c't special 03/2008 - Linux. Heise Zeitschriften Verlag). Auch in Produktivsystemen kann DTrace aufgrund eines im Kernel integrierten Interpreters, der Fehler in D-Skripten abfangen und damit Systeminstabilitäten verhindern kann, eingesetzt werden. Es kann jede beliebige laufende Applikation debuggen, d. h. auf „Bottlenecks“ untersuchen oder andere Schwachstellen identifizieren. Das hängt alles nur von den Skripten ab, die man mit DTrace und der Applikation laufen lässt. DTrace kommt mit etwa 50.000 Switches und Vorlagen zum „Tracen“. So braucht man nicht unbedingt das Rad neu erfinden, sondern greift auf vorhandene DTrace-Skripte zurück - und „ab geht die Post“.

Virtualisierung über Zones und Container

OpenSolaris bringt von Haus aus einfach zu verwaltende Möglichkeiten zur Virtualisierung mit. Ein OpenSolaris-Rechner als Host kann damit etliche Server in sich beherbergen. Das bietet natürlich Möglichkeiten zur Rationalisierung, einen hardwareseitig entsprechend ausgestatteten Rechner vorausgesetzt (vgl. Zisler, Harald: „Solaris 10 & OpenSolaris. Einführung, Administration, Anwendung“, S. 277 f., Franzis Verlag).

Zones: Wie viele andere Unix-Systeme auch, bietet OpenSolaris die Möglichkeit, abgeschottete und geschützte System-Umgebungen einzurichten. Auf einem einfacheren Level sind dies Zones (Zonen) (Link). Mit Zonen kann man sogar Linux bzw. ältere Solaris-Releases laufen lassen. D. h. also OpenSolaris als „global zone“ und Linux in der „local zone“. Gleiches gilt für Solaris 8 und 9 (das mag aber mehr unter der SPARC-Architektur eine Rolle spielen, da die x86-Versionen hier nicht so erfolgreich waren). Bei BSD-Systemen sind solche geschützten Bereiche als jails (Link) bzw. sysjails (Link) bekannt.

Container: Auf einem komplexeren Level, d. h. wenn eine Zone zudem das Ressourcen-Management eines Rechners (Zuteilung von CPUs, Rechenzeit etc.) beansprucht, spricht man bei OpenSolaris von einem Container. Der Container-Leitfaden ist ein sehr empfehlenswertes deutschsprachiges Dokument über Container (Link).

Image-Packaging-System (IPS)

IPS wurde mit dem vergangenen OpenSolaris-Release 2008.05 eingeführt und seitdem kontinuierlich weiterentwickelt. Zudem wurden neue Sektionen im Stamm-Repository opensolaris.org eingeführt, die jetzt Developer Releases, Sicherheitsupdates oder Community-Pakete zur Verfügung stellen (Link). Was kann das neue Image-Packaging-System?

  1. Paketmanagement: Auflösung von Abhängigkeiten (vgl. apt von Debian GNU/Linux) bei Installation, Entfernen, Suchen und Aktualisierung von Programmen. Oder komfortable und einfache Durchführung von kompletten Systemupdates. Man kann auf der Kommandozeile mit dem Befehl pkg (Link) arbeiten oder mit dem grafischen Packagemanager (Link). Allerdings beherrscht dieser momentan noch nicht alle Raffinessen von pkg, sodass man gelegentlich auf die Kommandozeile wechseln muss, um bestimmte Aufgaben zu erledigen.
  2. Erstellen von IPS-Paketen und IPS-Repositories: Entwickler können per IPS sehr leicht ein Repository erzeugen, neue Pakete erstellen und diese in das eigene Repository hochladen oder Pakete aktualisieren. IPS nimmt Entwicklern dabei viel Arbeit ab. Das Ganze ist in der Funktionalität wieder stark an moderne Versionskontrollsysteme angelehnt (Link).
  3. Aufsetzen und Spiegeln von beliebig vielen eigenen IPS-Servern: Um z. B. ein zentrales Repository für verschiedene Server zu haben und um nicht jeden Host einzeln ans Internet anbinden zu müssen, kann man einen Server (oder mehrere) mit Paketen beladen und diesen Server dann als Cache für die anderen Server zur Verfügung stellen. Inzwischen gibt es einige öffentlich zugängliche IPS-Repositories. Das Repository opensolaris.org ist das offizielle Standard-Repository von Sun. Bindet man zusätzlich die „3rd-Party“-Repositories wie Sunfreeware, Blastwave und LifeWithSolaris.org ein, kann man bereits auf eine ansehnliche Auswahl an Programmen zugreifen. Wie das Einbinden von vorhandenen IPS-Paketservern per Kommandozeile funktioniert, wird in diesem Tutorial beschrieben (Link).


[Grafik] Der Grafische Paketmanager. Bitte klicken Sie auf den Link wenn Sie die Grafik sehen möchten: Link
Bildunterschrift: der Paketmanager in OpenSolaris.

Hinweis: Das „alte“ Paketformat von Sun ist srv4. Pakete in diesem Format kann IPS nicht verarbeiten, jedoch existiert diese Paketverwaltung weiterhin parallel neben IPS. Ein Mini-Tutorial dazu findet sich hier (Link).

Device Driver Utility

Diese Anwendung ist im Desktop integriert und zeigt an, ob für die Hardware des Rechners Treiber in OpenSolaris verfügbar sind. Nach dem Start der Live-CD oder aber auch nach dem Start einer Festplatteninstallation kann man das Tool im laufenden GNOME-Desktop über „Anwendungen » Systemwerkzeuge » Gerätetreiber-Dienstprogramm“ aufrufen. Das Dienstprogramm kann auch ohne Live-CD oder Festplattenstart als webbasierte Anwendung genutzt werden. Diese Java-Anwendung kann die Hardware durchsuchen und anzeigen, ob sie unterstützt wird. Ein aktuelles JRE muss allerdings installiert sein. Starten kann man das Sun Device Detection Tool von der Sun-Webseite aus (Link).


[Grafik] Das grafische Gerätetreiber-Dienstprogramm. Bitte klicken Sie auf den Link wenn Sie die Grafik sehen möchten: Link
Bildunterschrift: das Device Driver Utility zeigt an, welche Hardware unterstützt wird.

Time Slider Utility (automatisierte Dateisystem-Backups)

Der „Zeit-Schieberegler“ - so heißt die deutsche Übersetzung im deutschen GNOME-Desktop - ist in Nautilus integriert. Das GUI-Tool nutzt im Hintergrund SMF-Dienste, um automatisch und regelmäßig Snapshots/Backups von ZFS-Dateisystemen durchzuführen. Snapshots nehmen lediglich den Unterschied zwischen Filesystem und dem archiviertem Zustand an Blöcken in Anspruch. Sie werden im Abstand von 15 Minuten erstellt und dann jeweils stündlich, täglich und wöchentlich archiviert. Mit „Time Slider“ kann man die Backups durchsuchen und wieder einspielen. Dabei wird nicht nur der eingeloggte Benutzer einbezogen, sondern alle gewünschten ZFS-Dateisysteme. Das ist sehr hilfreich beim Wiederherstellen gelöschter Daten (Link).


[Grafik] Der Zeit-Schieberegler (Time Slider) von OpenSolaris. Bitte klicken Sie auf den Link wenn Sie die Grafik sehen möchten: Link
Bildunterschrift: mit Time Slider kann man leicht Systembackups machen.

Alle Neuerungen des Release 2008.11 gebührend darzustellen würde leider den Rahmen dieses Beitrages sprengen. Daher sei hier nur noch kurz auf Folgendes hingewiesen:

  • Images für USB-Speichermedien. Für Bootmedien ist aber ein bereits installiertes (Open)Solaris nötig, da das usbcopy-Skript spezielle Schnittstellen im Betriebssystem benötigt.
  • Erweiterung des Installers um die automatische (Netzwerk-)Installation (Link).
  • Accessible Install ermöglicht auch Nutzern mit Behinderungen eine Installation durchzuführen.
  • Support von Zones im Snap Upgrade (Link).
  • Distribution Constructor: Erstellung von maßgeschneiderten Distributionen. Damit wäre auch ein OpenSolaris mit KDE4 möglich (Link).
  • Suspend- und Resume-To-Ram-Modus für Laptops wurde verbessert.
  • Viele neue Treiber, insbesondere für Intel-Chipsätze. Ähnliches wird für SD-Card-Reader und einige Webcams vermeldet. Zusätzliche freie Treiber für Netzwerkkarten finden sich bei Freenic (Link) und Audiotreiber bei Open Sound (Link).

Suns aktuelles Release im Web

Sun Microsystems selbst bewirbt die Neuerungen von OpenSolaris 2008.11 recht vollmundig. Eine Darstellung der neuen Funktionen des aktuellen Release aus der Sicht von Sun - getrennt nach den Zielgruppen Desktop-User, Administratoren und Entwickler - kann man auf der Webseite nachlesen (Link). Pro-Linux.de hat diese Angaben etwas reduziert und ins Deutsche übersetzt (Link). Wenn man tapfer die Werbung erträgt, kann man durch diesen Screencast (12 Minuten) eine Mini-Einführung in einen Teil der neuen Desktop-Funktionen erhalten (u. a. ZFS, Time Slider, Paketmanager-GUI) (Link).

Bisherige Distributionen von OpenSolaris

Von Indiana, Nevada, Sourcen und Binärdistributionen

Das „Project Indiana“ hat OpenSolaris als Open-Source-Projekt hervorgebracht - und darauf basierend werden wiederum eine Reihe von weiteren Distributionen entwickelt. Diese können aus Kapazitätsgründen hier nicht weiter erläutert, sondern nur kurz benannt werden. Zu unterscheiden sind einerseits Distributionen, die direkt von Sun entwickelt werden: OpenSolaris als Quellcode (mit Codename „Nevada“ inklusive des „Hypervisor“, gehostet unter OpenSolaris.org), OpenSolaris als Binärdistribution (Gehostet unter OpenSolaris.com, aktuelles Release 2008-11 mit Codename „Indiana“. Indiana kommt im Vergleich zu Nevada ohne einen Hypervisor, den man aber als IPS-Paket (xvm, xvm-gui) nachinstallieren oder unter openxVM (Link) als Quellcode erhalten kann.), Solaris 10 („current“, also der neueste Stand der Solaris-Entwicklung), SXCE (Solaris Express Community Edition) und SXDE (Solaris Express Developer Edition). Andererseits sind außerhalb von Sun folgende Community-Projekte entstanden: SchilliX, BeleniX, MilaX, Nexenta und MartUX mBE. Weitere Information dazu befinden sich im Observatory-Blog (Link) und im Solarium-Blog (Link).

Hinweis: Bei Nevada wurde oben der Begriff „Hypervisor“ genannt. Das betrifft das komplexe Thema Virtualisierung und kann deshalb hier nicht weiter vertieft werden. Eine Kurzdarstellung zur Thematik findet sich in Carsten Computer Spezial (Link).


[Grafik] Das komfortable Installationsprogramm der Live-CD. Bitte klicken Sie auf den Link wenn Sie die Grafik sehen möchten: Link
Bildunterschrift: die Installation geht einfach von der Live-CD aus.

Wo ist OpenSolaris erhältlich?

OpenSolaris (x86/AMD64) gibt es derzeit als Live-CD und USB-Image. Neben dem freien Download von der offiziellen OpenSolaris-Webseite (Link) empfiehlt sich der Community-Server von genunix.org (Link). Hier wird man fündig sowohl in Bezug auf das aktuelle Release und aktualisierte Versionen desselben, als auch in Bezug auf aktuelle Entwicklerversionen. Zusätzlich werden aktuelle Releases der Community-Distributionen zum freien Download angeboten.

Die Lizenzproblematik

OpenSolaris ist lizenzrechtlich ein interessanter Fall. Historisch aus einem proprietären und nicht-quelloffenem Betriebssystem gewachsen und in einem langsamen Öffnungsprozess quelloffen gemacht, besteht es heute aus einem komplexen Konstrukt von unterschiedlichen Lizenzen, die miteinander kombiniert und verflochten sind.

Allerdings gibt es diesen Sachverhalt auch bei Linux-Distributionen. Längst nicht alle Komponenten in einer Linux-Distribution sind unter der GPL lizensiert. Einen Überblick über die „Anatomie“ einer Linux-Distribution bekommt man bei O'Reilly (Link

).

Die lizenzrechtliche Verflechtung bei OpenSolaris wird im Folgenden nur kurz aufgezeigt. Juristisch interessierte Leser finden Links zu vertiefenden Informationen. Eine umfassende Bewertung der Sachlage erweist sich als schwierig. Wie es aussieht, dauert in Teilbereichen des Systems der Öffnungsprozess der Quellen bis heute an. Eine Rolle spielen dabei Namensrechte und Trademarks der jeweiligen Eigentümer. Bei Binärprogrammen kommen dann auch noch Export- und Import-Restriktionen einzelner Länder mit ins Spiel, so auch im Hinblick auf Kryptografie.

Bei Wikipedia ist eine aufschlussreiche Zusammenfassung der Sachlage nachzulesen (Link):

Lizenz: OpenSolaris unterliegt der „Common Development and Distribution License“ (CDDL). Die Lizenz ist ein Abkömmling der MPL (Version 1.1), seit Mitte Januar 2005 von der OSI anerkannt und erlaubt ausdrücklich die Verwendung des Quelltextes für proprietäre Lösungen.
Sun hat große Teile des Solaris-Quellcodes unter die CDDL gestellt. Dateien, die unter der CDDL stehen, können mit andersartigen, frei oder proprietär lizenzierten Dateien kombiniert werden.
GPL-Kompatibilität: Sun hat für OpenSolaris eine Lizenz gewählt, die nicht vollständig mit der am häufigsten verwendeten freien Software-Lizenz (GPL) vereinbar ist. Suns CDDL ist eine von der Open Source Initiative bestätigte freie Software-Lizenz. Allerdings kann aufgrund von Restriktionen in beiden Lizenzmodellen ein Werk nicht unter CDDL lizenziert werden, wenn es auf GPL lizenzierten Werken basiert.

Sun Microsystems weisen aus ihrer Sicht natürlich darauf hin, dass die GPL im Vergleich zur CDDL die restriktivere Lizenz ist und dadurch Probleme verursacht.

Sun stellt zur Klärung der lizenzrechtlichen Fragen umfassende Informationen bereit und differenziert in drei verschiedene Kategorien: Quelltextlizenzen, Binärlizenzen und Dokumentationslizenzen. Die folgende Darstellung wurde von Sun übernommen (für diesen Artikel wurde die Darstellung komprimiert) (Link):

Quelltextlizenzen

Ein Großteil des OpenSolaris-Quellcodes unterliegt der Common Development and Distribution License (CDDL) Version 1.0 (Link). Die CDDL ist von der Open Source Initiative (OSI) als Open-Source-Lizenz anerkannt, ebenfalls bestätigt aber nur mit Einschränkung empfohlen ist sie von der Free Software Foundation (FSF). Einige Bestandteile des OpenSolaris-Projektes beruhen wiederum auf anderen Open-Source-Projekten. Diese Komponenten unterliegen weiterhin ihren ursprünglichen Lizenzen, z. B. Perl, GNOME und X11.

Lizenzen für nicht im Quelltext verfügbare Bestandteile

Die OpenSolaris Binary License (Link) greift bei Komponenten von OpenSolaris, die auf nicht-offenem Quelltext beruhen oder die sogar mehreren Lizenzen unterliegen. Viele dieser Bestandteile werden daher in Binärform zur Verfügung gestellt. Andere beruhen auf Quelltext, der bisher (noch) nicht als Open Source zur Verfügung gestellt wurde.

Dokumentationslizenz

Die Dokumentation von OpenSolaris ist ebenfalls an Lizenzen gebunden. Die CDDL findet Anwendung auf Dokumentationen, die direkt zu einer Software gehören. Beispiele dafür sind die Handbuchseiten (man pages) und die integrierte Hilfe. Die Public Documentation License (PDL) Version 1.01 (Link) wird für Dokumentation verwendet, die separat von der Software ausgeliefert wird, zum Beispiel herkömmliche technische Anleitungen.

Mehr zu dieser lizenzrechtlichen Thematik findet man in der FAQ von Sun (Link).


[Grafik] Der grafische Druckmanager. Bitte klicken Sie auf den Link wenn Sie die Grafik sehen möchten: Link
Bildunterschrift: der OpenSolaris-Druckmanager.

Der Versuch einer Einschätzung

Achtung: Dieses Kapitel gibt die persönliche Sichtweise des Autors wieder. Es wird also kein Anspruch auf „Objektivität“ erhoben.

Von Winkelzügen und Provokationen ...

Sun hat mit OpenSolaris für Kontroversen gesorgt. Ist es lediglich ein verzweifelter Versuch oder ein geschickter Schachzug einer im Niedergang begriffenen Unix-Firma, um wieder den Fuß in verlorengegangene Marktsegmente zu bekommen? Gemäß dem Motto: „Wenn Du einen Konkurrenten (Linux) nicht besiegen kannst, dann mach ihn Dir zum Freund - und nutze seine Stärken“? Wird es Sun langfristig gelingen, sich aus der Community zurückzuhalten bzw. überhaupt eine solche aufzubauen? Fragen über Fragen. Hieran scheiden sich offensichtlich die Geister. Die Linux Foundation hat dazu ihre eigene Sichtweise (Link). Möglicherweise ist diese jedoch beeinflusst von den wirtschaftlichen Interessen ihrer Mitglieder. Geht es der Linux Foundation um eine polemische Botschaft mit der „Spitze“: Hey Sun, auch der Linux-Mann Ian Murdock wird Dich nicht mehr retten können? Oder nur um die Bewahrung der herausragenden Stellung der reinen, unverfälschten Lehre der GPL? Hier sollte sich jeder seine eigene Meinung bilden. Eins jedenfalls scheint sicher: Selbstverständlich stellt OpenSolaris durch seinen „Misch-Charakter“ (Unix/unter Linux bewährte Elemente und quelloffen/nicht-quelloffen) eine Provokation für Traditionalisten dar. Eine aus der Not geborene oder möglicherweise eine sehr genau lancierte.

... bis hin zu psychologischem Kalkül

Offensichtlich ist: Sun will den Boom und die Unterstützung der Freien-Software-Community für sich nutzen und machte daher sein Unix-System Solaris mit Linux kompatibler. In einem langwierigen Prozess öffnete Sun zu diesem Zweck die bislang proprietären Quellen (was bis heute andauert), machte das System fit für eine breitere Hardwarebasis und integrierte einige Anwendungen, die von Linux her als Standard bekannt sind wie die Bash, diverse GNU-Tools und die populäre Desktopumgebung GNOME inklusive der bekanntesten aktuellen Desktop-Anwendungen (Firefox, Thunderbird, OpenOffice.org und Diverses aus dem Bereich Multimediasoftware). Ian Murdock mit seinem Linux-Knowhow und seiner Erfahrung im Linux-Community-Management soll als prominentes Zugpferd bei Sun ganz gewiss nicht nur die strategische Ausrichtung des Solaris- und Linux-Geschäftsbereichs lenken. Er hat eine unschätzbare psychologische Funktion: Allein schon durch seine Popularität soll in der Community ein Teil der breiten Sympathie und des Vertrauens gegenüber Debian GNU/Linux auf das neue OpenSolaris übertragen werden. Und damit auch die Bereitschaft zur Unterstützung und Mitarbeit an dem neuen System. Hat es Sun damit geschafft, sich auch für Linux-Anhänger interessant zu machen? Oder wird es letztlich doch nur eine teure „Spielwiese“ von Sun bleiben?

„Schattenseiten“ und „Spaßbremsen“

Um von den großen Fragen und Zusammenhängen wieder auf den einzelnen User zurückzukommen, der etwas skeptisch die aktuelle Live-CD von OpenSolaris 2008.11 in der Hand hält und überlegt, ob er das denn mal ausprobieren sollte ... kommen wir zum Thema „Schattenseiten“ und “Spaßbremsen“! Davon gibt es leider einige:

  • OpenSolaris wird derzeit als installierbare x86/AMD64-Live-CD und als USB-Image zur Verfügung gestellt. Es erfordert jedoch leistungsfähige, moderne Hardware. Konkret: der Start der Live-CD macht erst ab mehr als den offiziell angegebenen 512 MB Ram richtig Freude. Ca. 3 GB Festplattenplatz werden empfohlen, besser sind 8 GB. Für das Recycling alter Rechner ist das in der Regel also nichts.
  • Theoretisch soll OpenSolaris durch einen recht schnellen Startvorgang beeindrucken können. Praktisch allerdings kann der Start regelmäßig bis zu 3 Minuten dauern, wenn es Schwierigkeiten mit der Hardware-Erkennung gibt (vor allem bei Laptops). Gelingt der Systemstart nach dieser Warteschleife, dann funktioniert aber auch alles einwandfrei. In späteren Versionen von OpenSolaris soll dieses Manko durch die stetig verbesserte Hardware-Erkennung immer mehr beseitigt werden.
  • Der Installer präsentiert sich zwar schick und sehr übersichtlich, allerdings erwartet er eine vorhande primäre Partition oder will die ganze Festplatte verwenden. Der Installer kann selbst noch keine Partitionen anlegen oder Größenänderungen durchführen. Vor der Installation von OpenSolaris müssen also mit den Werkzeugen anderer Betriebssysteme (auch mit Live-CDs möglich) die entsprechenden Voraussetzungen geschaffen werden. Zwar kommt OpenSolaris mit einem eigenen fdisk, aber das ist nur für sachkundige Solaris-Administratoren zu empfehlen, denn Festplatten werden völlig anders benannt als z. B. unter Linux und BSD-Systemen.
  • Die noch begrenzte Unterstützung von Hardware und der Mangel an Treibern kann schnell für Unmut sorgen. Allerdings arbeiten die Entwickler kontinuierlich und mit Elan an einer Verbesserung der Situation.
  • OpenSolaris ist Linux nur oberflächlich ähnlich: der vertraute schicke GNOME-Desktop und GNU-Werkzeuge wie die Bash. „Unten drunter“ ist was ganz Anderes, Fremdes.
  • Wer sich intensiver damit befasst, merkt schnell: OpenSolaris fordert vom willigen User eine Bereitschaft zum Umlernen bzw. zum Neulernen ungewohnter UNIX-Befehle.
  • Besitzer von nVidia-Grafikkarten dürfen sich freuen, die werden gut unterstützt. Allerdings sollten diese beachten, dass der neueste Treiber 177.80 einige der älteren Chipsätze seit Release 2008.11 nicht mehr unterstützt (Link). Hat man eine Karte eines anderen Herstellers, hilft ggf. nur beten ;-) ... und zu warten.

Auf der „Sonnenseite“ ist zu verbuchen:

  • Der Kernel der Live-CD erkennt beim Start, ob er sich in einem 32-Bit- oder 64-Bit-Rechner befindet und startet dann die passende Version.
  • Besitzer von nVidia-Grafikkarten werden wie bereits gesagt gut bedient. Der nVidia-Treiber wird automatisch beim Start des X-Servers passend eingerichtet, sogar für den Dual-Monitorbetrieb. Doch auch für ATI-Grafikkarten gibt es inzwischen eine Lösung (Link).
  • NWAM (automatisches Einklinken in WLANs bzw. kabelbasierte Netze) ist deutlich verbessert worden.
  • Auf einem Toshiba Tecra M9 (und einigen anderen Modellen) funktioniert jetzt „Suspend to RAM“. Wenn man einen aktuellen Laptop sucht, auf dem unter OpenSolaris möglichst viel funktioniert, sind der Tecra M9 und insbesondere der aktuelle Tecra M10 ein guter Tipp.
  • OpenSolaris wird langsam aber sicher für den Desktop tauglich (Systemverwaltung, Sortiment an Anwendungen) und präsentiert sich damit als eine Alternative zu Linux und BSD-Systemen. Z. B. OpenOffice.org 3 und diverse Multimedia-Programme werden schon längst auf den offiziellen bzw. den Community-Paketservern vorgehalten (Link).
  • Entwickler freuen sich über eine komplette Entwicklungsumgebung: Sun Studio Express mitsamt C-Kompiler, Debuggern und Netbeans mit einer grafischen Oberfläche für Dtrace mit dem Namen D-Light, den Applikationsserver Glassfish, die MySQL-Datenbank und VirtualBox als Virtualisierungssoftware. Der Hypervisor ist als IPS-Paket und als Quellcode verfügbar.
  • Mit OpenSolaris bekommt man ZFS direkt vom „Erzeuger“. Andere Betriebssysteme haben ZFS entweder aus technischen Gründen oder aber wegen lizenzrechtlicher Probleme (z. B. Inkompatibilität der GPL mit der CDDL) noch nicht integrieren können.
  • Das Zukaufen eines umfangreichen kommerziellen Supports ist möglich: ein sehr wichtiges Argument für Unternehmen, für Privatanwender eher unwesentlich.
  • Es gibt eine Unmenge an hervorragender Dokumentation. Diese richtete sich früher vorwiegend an Fachpublikum, doch Sun stellt sich inzwischen auch auf Einsteiger als Zielgruppe ein. Hier eine Installations-FAQ (Link) und ein Video zum grafischen Paketmanager (Link).
  • Das Modell OpenSolaris regt wieder einmal zum Nachdenken über die Synergie von „Freier Entwicklung“ und „Big Business“ an. Und unter welchen Bedingungen ein solches Modell erfolgreich funktionieren kann (Link) (Link).


[Grafik] Das nVidia-X-Server-Einrichtungsprogramm. Bitte klicken Sie auf den Link wenn Sie die Grafik sehen möchten: Link
Bildunterschrift: mit dem nVidia-Programm kann man den X-Server einrichten.

Schlusswort des Autors

Mir als Heimanwender macht der Umgang mit dem Unix OpenSolaris viel Freude. Es ist nicht besser oder schlechter als Linux, BSD- oder andere ähnliche Betriebsysteme. Es ist letztlich eine Frage der ganz persönlichen Vorlieben und ob man gewillt ist, die Mühen der Einarbeitung auf sich zu nehmen, um dann den Charme eines noch nicht ganz fertigen Systems mitsamt seiner Einschränkungen aber auch seiner besonderen Funktionen zu genießen. Wobei ich altes Linux-Wissen bei OpenSolaris nicht ganz über Bord werfen muss und mir so - ganz in Ruhe - nach und nach die Besonderheiten des Systems erschließen kann, soweit mein Interesse reicht und soweit ich die „Specials“ denn wirklich brauche. Weniger schön finde ich, dass die ansonsten hervorragende Dokumentation von Sun auf so irritierend viele Stellen im Netz verteilt ist. Als „Nicht-Eingeweihter“ fällt es schwer, eine durchgehende Systematik zu erkennen, die wohl durchaus (eventuell aufgrund historisch gewachsener Strukturen) zugrunde liegen mag. Erste Ansätze zur Konsolidierung seitens Sun sind allerdings bereits erkennbar, die Startseite von OpenSolaris.com wurde z. B. inzwischen komplett überholt und ist übersichtlicher geworden. Die aktuellen Einschränkungen des Systems betrachte ich optimistisch als einen vorübergehenden Zustand. Für mich persönlich ist mit OpenSolaris tatsächlich eine „neue Sonne“ am Himmel der Betriebssysteme aufgegangen.


Verwendete Printmedien

  1. Müller, Andrea: „Solaris-Spezialitäten“, in: c't special 03/2008 - Linux. Heise Zeitschriften-Verlag, 2008
  2. Zisler, Harald: „Solaris 10 & OpenSolaris. Einführung, Administration, Anwendung“, Franzis Verlag, 2007
  3. Dietze, Rolf, Heuser, Tatjana und Schilling, Jörg: „OpenSolaris für Anwender, Administratoren und Rechenzentren“, Springer-Verlag Berlin, 2006

Links

  1. http://www.sun.com/software/solaris/10/
  2. http://www.sun.com/
  3. http://opensolaris.org/os/project/indiana/
  4. http://www.opensolaris.com/
  5. http://opensolaris.org/os/get/
  6. http://de.wikipedia.org/wiki/OpenSolaris
  7. http://www.gnu.org/licenses/gpl-2.0.html
  8. http://de.wikipedia.org/wiki/Common_Development_and_Distribution_License
  9. http://opensource.org/about
  10. http://www.fsf.org/
  11. http://www.opensource.org/licenses,
  12. http://www.pro-linux.de/news/2007/10980.html
  13. http://www.linuxfoundation.org/
  14. http://www.linuxfoundation.org/en/LSB
  15. http://www.linux-magazin.de/news/video_ian_murdock_ueber_seine_arbeit_bei_sun
  16. http://ianmurdock.com/
  17. http://opensolaris.org/os/downloads/docs/
  18. http://raichoo.blogspot.com/2008/11/zfs-eine-einfhrung.html
  19. http://www.opensolaris.org/os/community/zfs/docs/
  20. http://blogs.sun.com/observatory/entry/what_makes_opensolaris_interesting_reason
  21. http://chaosradio.ccc.de/cre049.html
  22. http://blogs.sun.com/brendan/entry/test
  23. http://www.sun.com/lawsuit/zfs
  24. http://www.linux-magazin.de/news/geruechte_um_zfs_fuer_den_linux_kernel
  25. http://www.pro-linux.de/news/2006/10062.html
  26. http://raichoo.blogspot.com/2008/10/beadm-ich-bin-nicht-eins-ich-bin-viele.html
  27. http://www.opensolaris.org/os/community/security/projects/rbac/
  28. http://www.genunix.org/wiki/index.php/RBAC
  29. http://blogs.sun.com/observatory/entry/what_makes_opensolaris_interesting_reason1
  30. http://blogs.sun.com/observatory/entry/what_makes_opensolaris_interesting_reason2
  31. http://www.sun.com/bigadmin/content/zones/
  32. http://www.freebsd.org/cgi/man.cgi?query=jail&apropos=0&sektion=0&manpath=FreeBSD+6.2-RELEASE&format=html
  33. http://sysjail.bsd.lv/
  34. http://blogs.sun.com/solarium/resource/ptt-leitfaden-solaris-container-v2.0.pdf
  35. http://computerseite-spezial.de/index.php/opensolaris/106-opensolaris-release-200811-repositories.html
  36. http://dlc.sun.com/osol/docs/content/IPS/ggdcd.html
  37. http://frsun.downloads.edgesuite.net/sun/08D12331/index.html
  38. http://dlc.sun.com/osol/docs/content/IPS/ipsdev.html
  39. http://computerseite-spezial.de/index.php/opensolaris/46-opensolaris-2008-und-multimedia-.html
  40. http://computerseite-spezial.de/index.php/opensolaris/103-srv4.html
  41. https://cds.sun.com/is-bin/INTERSHOP.enfinity/WFS/CDS-CDS_SMI-Site/en_US/-/USD/ViewProductDetail-Start?ProductRef=SDDT-2.1-G-F@CDS-CDS_SMI
  42. http://blogs.sun.com/erwann/entry/zfs_on_the_desktop_zfs
  43. http://www.opensolaris.org/os/project/caiman/auto_install/AI_install_server_setup.html
  44. http://opensolaris.org/os/project/caiman/Snap_Upgrade/
  45. http://opensolaris.org/os/project/caiman/Constructor/DC_docs/DC_toi.html
  46. http://homepage2.nifty.com/mrym3/taiyodo/eng/
  47. http://www.4front-tech.com/download.cgi
  48. http://www.opensolaris.com/learn/features/whats-new/200811/
  49. http://www.pro-linux.de/news/2008/13534.html
  50. http://webcast-west.sun.com/interactive/09B12437/index.html
  51. http://openxvm.org
  52. http://blogs.sun.com/observatory/entry/distributions_of_opensolaris
  53. http://blogs.sun.com/solarium/entry/solaris_distributionen_von_sun
  54. http://computerseite-spezial.de/index.php/opensolaris/102-hypervisor.html
  55. http://www.opensolaris.com/get/
  56. http://www.genunix.org
  57. http://www.oreilly.de/artikel/linuxanatomy.html
  58. http://de.opensolaris.org/licensing/
  59. http://de.opensolaris.org/os/licensing/opensolaris_license/
  60. http://de.opensolaris.org/os/licensing/opensolaris_binary_license/
  61. http://de.opensolaris.org/os/licensing/pdl/
  62. http://de.opensolaris.org/os/about/faq/licensing_faq/
  63. http://www.pro-linux.de/news/2008/13249.html
  64. http://mail.opensolaris.org/pipermail/indiana-discuss/2008-November/013882.html
  65. http://blogs.sun.com/observatory/entry/configuring_ati_video_for_an
  66. http://computerseite-spezial.de/index.php/opensolaris/46-opensolaris-2008-und-multimedia-.html
  67. http://wikis.sun.com/display/OpenSolaris/OpenSolaris0811InstallationFAQ
  68. http://www.heise.de/open/Open-Source-ist-kein-Business-Modell--/artikel/117309
  69. http://www.pro-linux.de/news/2008/13302.html


Autoreninformation:

Carsten Rohmann hat seit 2001 Windows komplett durch freie Betriebssysteme ersetzt, allen voran GNU/Linux. In den letzten Jahren begann er sich für BSD-Systeme zu interessieren. Der Autor hat seit August 2008 OpenSolaris als Testsystem auf seinem Laptop und erprobt es seitdem im Alltagseinsatz - mit Erfolg. 

Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 12. Dezember 2009 um 13:04 Uhr